"Indien ist die wirkliche Bedrohung"

29. August 2003, 20:07
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Global ist jeder dritte Autozulieferer existenzbedroht. Österreich schlägt sich laut jüngster ATKearney-Studie wacker, müsse aber die Osterweiterung als Chance nutzen

Wien - Indien entwickle sich bei Forschung und Entwicklung (F & E) immer mehr zur Denkfabrik auch für die Autozulieferer und sei somit für die Branche "die wirkliche Bedrohung, nicht Osteuropa", verkündete ATKearney-Experte Christian Heiss am Montag bei der Präsentation der alljährlichen Studie über die (im Argen liegende) Ertragskraft der globalen Autoindustrie.

Konkurrenz für Magna Steyr

Der Prozess, F-&-E-Aufträge, bis hin zu ganzen Facelifts von Automodellen in die neuen technischen Zentren nach Indien zu vergeben, sei bereits voll im Gang. Die Botschaft wird man bei Magna Steyr nicht gerne hören, brüstet sich Frank Stronachs Paradeunternehmen doch gern, einer der wesentlichen Geschäftsvorteile sei die umfassende Entwicklungs- und Produktionskompetenz. Anders gesagt: Vom ersten Federstrich bis zum Bau ganzer Automobile beherrschen die Grazer alles.

Das könnte künftig nicht mehr reichen, unterstellt die Studie: Der indische Kostenvorteil gegenüber Hochpreisländern liege bei 50 Prozent und werde Jahre stabil auf diesem Niveau verharren. In den EU-Erweiterungsländern liege der Vorteil nur mehr bei 25 bis 30 Prozent, Tendenz: zum Westniveau aufschließend.

Umsätze trotz Krise gestiegen

Die heimische Automobil-(zuliefer)industrie, mit knapp 27.000 Beschäftigten, gleich nach dem Tourismus größter Arbeitgeber des Landes, leide zwar im Wesentlichen ebenfalls unter dem weltweiten Ertragskraft-Einbruch der Zulieferer, habe aber im Krisenjahr 2002 ihre Umsätze noch einmal - von 8,13 auf 8,4 Milliarden Euro - steigern können.

Als Strategie, diesen positiven Trend fortzuführen, sollten speziell Klein- und Mittelbetriebe traditionelle Stärken wie Produktivität, "aber auch Technologie und Innovationsführerschaft" weiter ausbauen und klar definierte Nischen besetzen. Zentrales Erfordernis sei dabei, die Osterweiterung nicht als Gefahr, sondern als Chance sehen. Österreich sei in einer offensiven Position, nun müsse man die sich daraus ergebenden Vorteile möglichst rasch nutzen.

Autoexporteur China International wird China als Produktionsstandort immer wichtiger - und bald auch als Exporteur. Wie schon in anderen Branchen entwickle sich das kommunistische Boomland auch für die Kfz-Industrie zum bevorzugten Billig-Produktionsstandort, so Heiss weiter. Im Gefolge der Hersteller sind viele Zulieferer schon präsent oder planen ihren Einstieg - nach Chinas WTO-Beitritt sei generell ein besseres Geschäftsklima für Auslandsunternehmen zu konstatieren.

Die Folge: Schon heute wiesen die Produktionskapazitäten China als achtgrößten Autobauer aus, bis 2006 sei eine Verdoppelung des Ausstoßes auf sechs Millionen Autos zu erwarten (zum Vergleich: Die Inlandsproduktion der Autogroßmacht Deutschland liegt bei über fünf Millionen Pkw jährlich). Mindestens eine Million davon sei bereits für den Export vorgesehen.

Ein wenig still geworden ist es um die elektronischen Handelsplattformen. Offenbar zähle doch das Vieraugengespräch mehr als anonymes elektronisches Bieten: "Die Erwartungen in die E-Commerce-Plattformen haben sich nicht ganz erfüllt." (stock)

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    Zulieferbetrieb Magna in Steyr

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