Einmal Phönix mit Punschkrapferl bitte

16. Mai 2014, 18:06
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Eine Wurstnation

Zugegeben: Ich sah den Song Contest aus privaten Gründen erst zweimal. Insofern ist eine ausgewogene Berichterstattung, die Alpha und Omega so geschmeidig umschließt wie ein Lederhandschuh die geballte Faust, defintiv nicht möglich.

Dafür die Aufmerksamkeit der Anfängerin. Neutral beobachtet lässt sich sagen: divinöser als Conchita war keine. Neben der Tatsache, dass Österreich seit Jahrzehnten erstmals gewonnen hat, fand ich eher Abläufe jenseits des Scheinwerferkegels spannend. Die im Schatten sieht man nämlich auch. Wenn sie sich im Netz ins Licht drängeln, sexistische Sturzfluten über Österreichs Kandidatin auskippen.

Wenn ein Bart in einem schönen geschminkten Gesicht zu Wutkrämpfen hinreißt. Wenn  ein einziger Bart dazu ausreicht, wird die Frage obsolet, wieso homosexuelle Paare von der  Adoption oder Pflegeelternschaft ausgeschlossen werden. Weils einfach so ist. Basta. Da helfen auch Spindeleggers hölzerne Glückwünsche an die Kunstfigur und ihren Neuwirth nicht.

Dass die FPÖ auch im Fall Conchita zu russischer Ideologie tendiert, verwundert nach den Tschetscheniengleichklängen niemand. Meinetwegen gratuliere ich halt, quetschte sich Strache als braver Haider-Schüler von den Lippen, als Alaba 2.0. bedrohlich nahe rückte. Conchita hätte es den Blauen nie recht machen können: Hätte sie nichts gerissen, wäre das ein Zwangsbeitrag mieser Qualität gewesen. Gewinnt sie, ist’s auch wieder nicht recht. Eine Zwickmühle, die ein wenig an den Witz mit der jüdischen Mutter erinnert: Zieht der Sohn eines der geschenkten Hemden an,  zieht sie ein trauriges Gesicht und sagt: "Und das andere gefällt dir nicht?"

Erneut ein Hinweis, dass Strache intensiv daran arbeitet, als neuer Jude wie ein Phönix aus der Asche ... ach lassen wir das. Interessanterweise feiert die Heimatpartei den ersten Platz für die Heimat ganz und gar nicht. Nur Jelineks Nobelpreis wurde hartnäckiger weggeschwiegen. Interessant ist es nur, wenn die Richtigen gewinnen. Was Heimat ist,  bestimmt immer noch Kickl.

Im Netz kursiert eine Hoax-Studie, die Eltern anführt, die auf die Frage, was sie tun würden, wenn sie feststellen müssten, ihr Kind wäre ein Homo sapiens, antworteten: Ich würde den Spross sofort aus dem Haus werfen. Klingt lustig, aber nicht unrealistisch. Was die Ängste anbelangt, Homosexuelle könnten als Vorbilder bei ihren Kindern für "falsche Entscheidungen" sorgen: Mit gleicher Logik könnte man befürchten, das Kind würde sich aufgrund linkshändiger Eltern dafür entscheiden, ebenfalls Linkshänder zu werden. Intoleranz aufgrund von Unwissenheit ist Dummheit. Intoleranz trotz Bildung ist Bosheit. (Julya Rabinowich, Album, DER STANDARD, 17./18.5.2014)

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