Spionageverdacht

16. Mai 2014, 18:00
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Pressekonferenz. Der SPÖ-Spitzenkandidat für die Europawahl Freund vor österreichischen Journalistinnen und Journalisten

ERSTE JOURNALISTIN: Herr Professor Freund, es gibt Vorwürfe, Sie hätten für den jugoslawischen Geheimdienst gearbeitet. Stimmt das?

FREUND: Das ist eine Lüge. Es hat nie Kontakte gegeben. Ich habe nie auch nur einen Pfennig, einen Schilling, einen Dinar, einen Dollar von irgendeinem jugoslawischen Geheimdienst bekommen.

ERSTER JOURNALIST: Auch keinen Rubel?

FREUND: Auch keinen Rubel, nein.

ERSTER JOURNALIST: Das können Sie beschwören?

FREUND: Das kann ich beschwören.

ZWEITER JOURNALIST: Wie sieht es mit Lire aus? Schweizer Franken?

FREUND: Nein.

ZWEITE JOURNALISTIN: Peso, Öre, Krone, Escudo?

ERSTER JOURNALIST: Pfund!

PRESSESPRECHER: Herr Freund hat bereits betont, dass er kein Geld vom jugoslawischen Geheimdienst erhalten hat!

ERSTE JOURNALISTIN: Auch nicht Zloty oder Forint?

ZWEITE JOURNALISTIN: Yen oder Yuan?

FREUND: Ein für alle Mal, nein! Die Pressekonferenz ist beendet! (Er verlässt, gefolgt von seinem Pressesprecher, den Raum.)

DIE JOURNALISTEN (durcheinander): Rupie! Drachme! Taka! Ngultrum! Franc! Kaurimuschel! Won! Rial! Schekel!

(Verwandlung. Freund und sein Pressesprecher in einem Nebenraum. Von draußen immer noch die Rufe der Journalisten.)

PRESSESPRECHER: Hartnäckige Bande!

FREUND: Die Vorwürfe haben wir jedenfalls entkräftet. (Er zieht ein Säckchen mit Schokotalern aus der Tasche und hält es dem Pressesprecher hin.) Willst du einen?

PRESSESPRECHER (entsetzt): Um Himmels willen, tu das weg!

(Vorhang)

(Antonio Fian, DER STANDARD, 17./18.5.2014)

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