Pinke Hasen und eine "resche" Kandidatin im Einkaufszentrum

Reportage16. Mai 2014, 18:01
196 Postings

Wie die Neos ihr liberales Gedankengut einem skeptischen oberösterreichischen Publikum nahezubringen versuchen

Linz - Die Welt draußen war nass und kalt. Denkbar schlechte Voraussetzungen für einen klassischen Straßenwahlkampf. Und wohl der Grund, warum die Neos die Linz-Visite von EU-Spitzenkandidatin Angelika Mlinar kurzerhand ins LentiaCity Shopping Center verlegten.

Zwischen Einkaufsgroßmarkt und Konditorei wurde es am späten Donnerstagnachmittag damit richtig grell. Das siebenköpfige Oberösterreich-Neos-Team rund um Landessprecherin Judith Raab sorgte mit üppig eingesetzter Parteifarbe dafür, dass der Neos-Einsatzort nicht im Schatten des Konsumtempelglanzes stand.

Pinker Sonnenschirm, pinke Fahnen, pinke Liegestühle, Mann in pinkem Hasenkostüm, Mann in pinkem Ganzkörper-Stretchanzug.

Und natürlich Frau Mlinar mit pinkem Oberteil.

Der Auftritt garantiert eine sichtbare Entschleunigung beim gestressten Einkäufer. Und für jene, die ihr Tempo nicht nur zwecks Beobachtung verringern, sondern gar stehenbleiben, gibt es kein Entrinnen.

"Hallo, wir sind die Neos" - die ältere Dame steht plötzlich Auge in Auge mit dem pinken Hasen. "Jo, eh - aber wofür steht Neos?"

Hase: "Na für neu."

Ältere Dame: "Wie? ÖVP steht für Österreichische Volkspartei, des is klar. Aber Neos?"

Hase: "Wir bringen neuen Schwung ins Hohe Haus."

"In mei Haus net" - die ältere Dame zieht verwundert ab, zurück bleibt ein ratloser Mümmler.

Guter Befund

Angelika Mlinar, die vom Liberalen Forum zu den Neos gefunden hat, hat inzwischen einen Fan ausgemacht - einen Mediziner, der sich hoch erfreut darüber zeigt, dass die pinke Spitzenkandidatin sich jüngst für die Privatisierung von Spitälern ausgesprochen hat. "Unser Gesundheitssystem ist zwar gut, aber viel zu teuer. Da muss ein Umdenken passieren", setzt Mlinar nach.

Der Arzt ist zufrieden: "Sie san a resche - Sie fahren ordentlich rein. Das gefällt mir."

Mlinar: "Man hat mich aber auch ordentlich abgewatscht dafür."

Der Arzt bleibt dabei: "Ihr müsst's Dinge ansprechen - lieber einmal zu viel als einmal zu wenig."

Zufrieden ist auch Kerstin Barsaouris: "Es hat dringend eine neue Partei gebraucht. Die anderen spielen sich doch nur mit uns. Einmal möchte ich das den Herren von ÖVP und SPÖ ins Gesicht sagen." Die klare Ansage der Linzerin bringt einen Konditoreigast in Rage: "Geh, bitte. Hören Sie auf. Wofür stehen die Neos? Da ist doch nichts greifbar, die sind viel zu wenig in der Öffentlichkeit."

Angelika Mlinar bringt sich ein: "Wir bemühen uns, präsent zu sein. Aber wird sind halt eine sehr junge Partei." Was den Gast wenig beeindruckt: "Euch wähl ich nicht - wegen dem Niko Alm. Der is ein Kasperl. Und ich wähl keine Partei mit einem Kasperl." Mlinar: "Aber hat nicht jede Partei einen Kasperl?" Das Gegenüber überlegt kurz: "Schon, aber eure Partei is nur was für die Jungen."

Offensichtlich nicht nur: Die ältere Dame hat ihre Einkäufe erledigt und dabei die ursprünglichen Namensbedenken über Bord geworfen. Zurück beim Hasen ist sie mit einer durchaus zweifelhaften Botschaft: "Wissen Sie, ich bin ein Kriegskind, '38 haben wir halt den Hitler wählen müssen. Aber ich hab dann später gleich wieder umgeschwenkt. Jetzt hat meine Tochter gesagt, ich soll die Neos wählen." Und schon hoppelt der pinke Hase heiter weiter. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 17.5.2014)

  • Mit tierischer Begleitung auf dem Weg nach Brüssel: Neos-Spitzenkandidatin Angelika Mlinar.
    foto: denis richter

    Mit tierischer Begleitung auf dem Weg nach Brüssel: Neos-Spitzenkandidatin Angelika Mlinar.

Share if you care.