Rekordquartal trotz zunehmender "Produktenge"

18. Mai 2014, 17:53
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In ganz Europa, besonders aber in Österreich stiegen Investitionen in Gewerbeimmobilien im ersten Quartal stark an. Bei CBRE geht man mehr oder weniger fix von 2,5 Milliarden Euro heuer aus, bei EHL ist man etwas vorsichtiger

37,9 Milliarden Euro wurden im ersten Quartal des Jahres 2014 auf den europäischen Gewerbeimmobilienmärkten umgesetzt. Gegenüber dem Vorjahresquartal bedeutete dies einen Anstieg von 18 Prozent. Ausgerechnet Österreich konnte dabei laut aktueller Analyse des Immobiliendienstleisters CBRE den größten Zuwachs verzeichnen, nämlich um sage und schreibe 182,6 Prozent auf 650 Millionen Euro - von "nur" 230 Millionen im ersten Quartal des Jahres 2013.

"Schuld" an den starken Umsätzen ist natürlich zu einem guten Teil die im Jänner vollzogene Übernahme des Gerasdorfer Shoppingtempels "G3" durch die deutsche ECE. Allein dieser Deal erreichte mit seinen kolportierten 230 bis 250 Millionen Euro jenes Volumen, das im ganzen ersten Quartal 2013 umgesetzt wurde.

Zwei Milliarden im Visier

Der starke Jahresbeginn, aber auch der Blick auf ein paar weitere Objekte in der Größenordnung des G3, die noch heuer den Besitzer wechseln könnten, lassen Marktkenner wie Georg Fichtinger, Head of Capital Markets bei CBRE Österreich, für das Gesamtjahr ein Transaktionsvolumen von deutlich mehr als zwei Milliarden Euro erwarten. Fichtinger rechnet sogar mit bis zu 2,5 Milliarden, die heuer in österreichische Gewerbeimmobilien investiert werden könnten.

Bei Mitbewerber EHL Immobilien ist man zwar auch positiv gestimmt, Investmentchef Franz Pöltl drückt seine Erwartungen aber vorsichtiger aus. "Wir sind zwar auch sehr zuversichtlich für das Transaktionsvolumen in diesem Jahr", sagt er zum STANDARD. "Ob es aber am Ende tatsächlich 2,5 Milliarden Euro werden oder nur zwei Milliarden, hängt von sehr vielen Zufällen ab."

Unterschiedliche Statistiken

Und wohl auch von der Betrachtungsmethode, die die hausinternen Research-Abteilungen anwenden: Pöltls Team errechnete beispielsweise für das erste Quartal 2014 einen Umsatz von "nur" 480 Millionen Euro anstatt der 650 Millionen wie bei CBRE. Ausschlaggebend für die Einberechnung ist zwar sowohl für CBRE als auch für EHL das "Closing" eines Deals; "aber nicht immer sind diese Informationen auch verfügbar. Da kann es also durchaus zu Abweichungen kommen", so Pöltl.

Den G3-Deal haben jedenfalls beide für das erste Quartal verbucht, und ebenso unbestritten handelte es sich dabei um die größte Einzeltransaktion in Österreich seit dem Verkauf der Shopping City Süd im Jahr 2008. Damals zahlte Rodamco für das größte heimische Shoppingcenter 607 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor, 2007, wurde mit 2,7 Milliarden Euro das bisherige Rekordvolumen am heimischen Investmentmarkt erreicht.

Zweites Halbjahr traditionell besser

Dass es heuer wieder zumindest in die Nähe dieses Rekordwerts gehen kann, hält fast niemand mehr für ausgeschlossen. "Es sind einige große Deals in der Pipeline", sagt Pöltl, und traditionellerweise sei ohnehin das zweite Halbjahr immer stärker als das erste. "Im zweiten Halbjahr ist immer mehr Druck da, sowohl bei den Investoren als auch bei den Verkäufern. Die Leute wollen vor Jahresende ihre Dinge geregelt haben."

Dass es sehr viel Liquidität im Markt gibt, verstärkt den Druck weiter. Geld, das zunehmend aus bisher nicht auf dem heimischen Markt präsenten Ländern kommt: "Da und dort sieht man chinesisches Geld aufflackern oder auch beispielsweise Staatsfonds aus Singapur", berichtet Pöltl. "Die sehen sich jetzt erst einmal um. Ob sie auch kaufen, kann ich nicht sagen, aber die hatten wir bis vor kurzem nicht hier."

Und dieses "neue" Geld will in sicheren Märkten angelegt werden, in denen es allerdings zusehends an Topobjekten mangelt. "Wir haben es mit einer Produktenge zu tun", wie es der Investmentexperte nennt. Die großen deutschen Fonds würden ganz besonders darunter leiden, "denn die wollen unbedingt das klassische Core-Produkt".

Sind diese Topprodukte nicht verfügbar, fließt dieses Geld dann zu den "Second best"-Objekten. "Dass es dann auf diesem Markt zu vielen Transaktionen kommen wird, ist absehbar."

Opportunisten unterwegs

Nicht nur in Österreich: "Opportunistische Investoren, insbesondere aus den USA, investieren verstärkt in sich erholende Märkte wie Spanien und Irland und wollen von möglichen künftigen Renditekompressionen profitieren", erklärt CBRE-Experte Fichtinger. Im Jahr 2013 entfielen so fast die Hälfte der spanischen Gewerbeimmobilieninvestments auf nordamerikanische Investoren. Auch auf dem irischen Immobilienmarkt wurden das erste Mal signifikante Aktivitäten von Amerikanern beobachtet - ein Trend, der sich 2014 fortsetzt. "Darüber hinaus sind in Spanien große Akquisitionen durch Investoren aus China und dem Nahen Osten zu sehen."

Folgerichtig waren laut CBRE im ersten Quartal nach Österreich die höchsten Zuwachsraten bei den Investitionen in Gewerbeimmobilien in Irland (179 Prozent), Spanien (132 Prozent) und Finnland (103 Prozent) zu beobachten. Schweden (68 Prozent), Deutschland (47 Prozent) und Frankreich (37 Prozent) schlugen sich ebenfalls sehr gut.

Auf dem traditionell stärksten Markt, dem britischen, gingen die Aktivitäten hingegen im ersten Quartal um drei Prozent auf 11,4 Milliarden Euro zurück. Laut Fichtinger lag das daran, dass London in den letzten drei Monaten des Jahres 2013 die höchste jemals in einem Quartal erfasste Investitionssumme aufwies und damit sogar die Spitzenwerte des Jahres 2007 übertraf. "Der Umsatzrückgang im ersten Quartal 2014 kam nicht unerwartet, da Investitionsmöglichkeiten aktuell fehlen." Auch in Mittel- und Osteuropa gingen die Investments im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahresquartal um 35 Prozent zurück, was vor allem am 77-prozentigen Minus in Russland lag (siehe Artikel). (Martin Putschögl, DER STANDARD, 17.5.2014)

  • Eine der drei größten Transaktionen im ersten Quartal 2014 war der Verkauf der Bank-Austria-Zentrale am Wiener Schottenring an den Investor Ronny Pecik. Das "Closing" war Mitte Februar.
    foto: apa/schlager

    Eine der drei größten Transaktionen im ersten Quartal 2014 war der Verkauf der Bank-Austria-Zentrale am Wiener Schottenring an den Investor Ronny Pecik. Das "Closing" war Mitte Februar.

  • Seit dem Verkauf der mittlerweile runderneuerten SCS im Jahr 2008 gab es keine auch nur annähernd so große Einzeltransaktion.
    foto: apa/techt

    Seit dem Verkauf der mittlerweile runderneuerten SCS im Jahr 2008 gab es keine auch nur annähernd so große Einzeltransaktion.

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