Ex-Mitarbeiterin zeigt Ehefrau von Künstler Nitsch an

16. Mai 2014, 17:07
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Eine Ex-Mitarbeiterin von Rita Nitsch zeigt die Ehefrau des Künstlers wegen Kreditschädigung an. Rita Nitsch nennt die Ex-Mitarbeiterin als treibende Kraft hinter den Steuerermittlungen

Wien – In der Causa Nitsch sorgt eine Anzeige für Aufsehen: Während die Behörden noch Unterlagen sichten, die bei der Steuerrazzia in der Wohn- und Arbeitsstätte von Hermann Nitsch im Schloss Prinzendorf Mitte März 2014 sichergestellt worden sind, zeigt eine Exmitarbeiterin die Ehefrau des Künstlers wegen Ruf- und Kreditschädigung an. Das erfuhr der STANDARD aus informierten Kreisen.

Rita Nitsch soll die Exmitarbeiterin nach einem Einbruch in Schloss Prinzendorf im März 2013 als Tatverdächtige genannt und - auch vor Zeugen - belastet haben. Die Existenz einer dementsprechenden Liste mit Tatverdächtigen, die Rita Nitsch anfertigte, bestätigte Dietmar Guggenbichler dem STANDARD. Detektiv Guggenbichler war ursprünglich von Rita Nitsch beauftragt worden, den Einbruchsdiebstahl im Schloss aufzuklären. Hinweise auf mögliche Schwarzgeldverkäufe von Bildern haben Guggenbichler nach eigenen Worten aber veranlasst, Nitsch anzuzeigen.

Kein Eingang in Buchhaltung

Im Zuge der Anzeige wurde im Herbst 2013 auch jene Exmitarbeiterin vernommen, die von Rita Nitsch beschuldigt worden war. Ihre Aussage dürfte hinsichtlich der Steuerermittlungen gegen Nitsch den Stein ins Rollen gebracht haben. "Rita Nitsch hat Aufzeichnungen über den Bilderverkauf geführt, wobei die Erlöse daraus keinen Eingang in die Buchhaltung fanden", gab die Exmitarbeiterin zu Protokoll.

Die Finanz geht von einer Steuerhinterziehung im Ausmaß von rund drei Millionen Euro aus. Dementsprechende Pfandrechte, darunter auch für das Schloss Prinzendorf, wurden vorgemerkt. Hermann und Rita Nitsch weisen die Anschuldigungen zurück. Ob Rita Nitsch nach der bekanntgewordenen Aussage der Exmitarbeiterin rechtlich gegen diese vorgehen wird, ließ Nitschs Anwalt Daniel Charim offen. "Aber undenkbar ist es nicht", sagte er dem Standard.

Jedenfalls geht Rita Nitsch davon aus, dass die Exmitarbeiterin, die zwischen 2006 und 2010 für sie werkte, gemeinsam mit Detektiv Guggenbichler die Anzeige beim Finanzamt einreichte. Das schreibt Rita Nitsch in einer E-Mail an Mitglieder und Freunde des "Vereins zur Förderung des O. M. Theaters".

Diese Darstellung weist die Exmitarbeiterin entschieden zurück: Sie sei erst bei ihrer Einvernahme von einer möglichen Beschuldigten zur Belastungszeugin geworden. In dem von Rita Nitsch gezeichneten Schriftstück erwähnt die Ehefrau des Künstlers die Exmitarbeiterin mit vollem Namen: Auch dagegen will die Exmitarbeiterin vorgehen.

"Großer Diebstahl 2013"

Indirekt macht Rita Nitsch die Exmitarbeiterin auch dafür verantwortlich, dass ein kommender Großevent des Künstlers Hermann Nitsch nicht durchgeführt werden kann. "Eigentlich war das nächste Sechs-Tage-Spiel schon für dieses Jahr geplant", schreibt Rita Nitsch. Aber durch den "großen Diebstahl 2013" seien die Mittel verlorengegangen.

"Nun wollten wir es um zwei Jahre verschieben und fleißig arbeiten, damit es realisierbar wird." Dann sei die Anzeige gekommen. "Die willkürliche und falsche Einschätzung der Behörden sowie das Verhalten der Medien haben uns großen Schaden zugefügt. Noch gab es keine Verhandlung, aber wir sind sehr mitgenommen und traurig darüber, wie man gegen uns vorgeht."

Anzeige gegen Guggenbichler

Wegen dubioser Arbeitsmethoden und Verletzung der Verschwiegenheitspflicht gegenüber Auftraggebern steht Dietmar  Guggenbichler eine Anzeige bei der Gewerbe- und der Datenschutzbehörde ins Haus. Josef Schachermaier von der Berufsgruppe Berufsdetektive in der Wirtschaftskammer wird sie "definitiv am kommenden Montag" einbringen. Schon bei anderen Fällen soll Guggenbichler ebenfalls seine Verschwiegenheitspflicht verletzt und Kunden angezeigt haben. (David Krutzler, DER STANDARD, 17./18.5.2014)

  • 1998 fand das 6-Tage-Spiel des Aktionskünstlers Hermann Nitsch in Schloss Prinzendorf in Niederösterreich statt. Das nächste für 2014 geplante 6-Tage-Spiel musste verschoben werden.
    foto: apa/cibulka

    1998 fand das 6-Tage-Spiel des Aktionskünstlers Hermann Nitsch in Schloss Prinzendorf in Niederösterreich statt. Das nächste für 2014 geplante 6-Tage-Spiel musste verschoben werden.

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