"Über-Ich und Du": Befreiung aus unguter Lage

16. Mai 2014, 18:36
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Benjamin Heisenberg ("Der Räuber") hat mit Georg Friedrich und André Wilms eine kurzweilige, originelle Komödie gedreht

Ein kleiner Gauner auf der Flucht nistet sich in der Villa eines eigenbrötlerischen, verwitweten Psychologen ein, der mit einer alten Schuld hadert. Die beiden Männer haben einen Draht zueinander. Der eine interessiert sich für die wertvollen Erstausgaben im Haus, der andere für den interessanten Fall, den er da unerwartet vor sich hat. Wirkliche Verwandte und eine giftige Gangsterchefin namens „Mutter“ stören bald die Symbiose. In der Mitte des Films findet noch dazu eine mysteriöse Übertragung zwischen Professor und Patient statt. 

Der deutsche Filmemacher Benjamin Heisenberg, der zuletzt mit Der Räuber ein Stück heimischer Kriminalgeschichte hochspannend für die Leinwand adaptierte, hat wieder das Genre gewechselt: Über-Ich und Du ist eine ebenso gebildete wie kurzweilige und absurde Komödie – sie wirkt auf angenehme Weise aus der Zeit gefallen und erinnert auch ein bisschen an UfA-Klassiker des frühen Tonfilms.

Georg Friedrich spielt Nick Gutlicht, den "freundlichen Herumtreiber" mit Schiebermütze und Bärtchen, André Wilms – den man u.a. aus Aki Kaurismäkis Le Havre kennt – den mit Nordic-Walking-Stöcken ausgerüsteten Psychologen Curt Ledig. Heisenberg und Co-Autor Josef Lechner haben ihnen knappe Dialoge mit trockenen Pointe geschrieben, jeder Satz sitzt, die beiden Darsteller sind hervorragend aufeinander eingespielt. Auch die Nebenrollen sind bei Profis wie Maria Hofstätter oder Eisi Gulp in besten Händen. Ein Vergnügen. (irr, DER STANDARD, 17.5.2014)

  • Georg Friedrich (li.) und André Wilms als dynamisches Duo
    foto: thimfilm

    Georg Friedrich (li.) und André Wilms als dynamisches Duo

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