Prozess in Korneuburg: Vom Schwarzfahrer zum Doppelmörder

16. Mai 2014, 15:04
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Ein 37-Jähriger soll im Dezember 2011 ein betagtes Ehepaar erschlagen und erstochen haben, da es ihm kein Geld für seine Rückfahrt in die Slowakei geben wollte. Er ist geständig, aber schweigsam

Korneuburg – "Zum Unglück der Eheleute wurden Sie aus dem Zug geworfen", sagt Manfred Hohenecker, Vorsitzender des Korneuburger Geschworenengerichtes im Mordprozess gegen Ladislav S., trocken zum Angeklagten. Denn das unfreiwillige Fahrtende in Obersiebenbrunn führte dazu, dass ein 76-Jähriger und seine 80 Jahre alte Frau starben.

S. spricht während der gesamten Verhandlung nicht so viel. Meist nickt er nur oder sagt "Ja", wenn ihn der Vorsitzende etwas fragt. Oder, an den heiklen Stellen: "Ich kann mich nicht mehr erinnern." Den Doppelmord im Dezember 2011 gesteht der 37-jährige Angeklagte aber ein. "Was soll ich sagen, es ist passiert." Für die Tat bietet er nur eine Erklärung: "Wahrscheinlich bin ich Amok gelaufen."

Fast ein Euphemismus, wenn man dem medizinischen Sachverständigen Wolfgang Denk zuhört. Dem alten Mann zertrümmerte S. im Geräteschuppen mit einer Rohrzange den Schädel. Der erste Schlag kam von hinten, dann schlug er weiter zu, als das Opfer schon auf dem Boden kniete.

26 Stiche gegen alte Frau

Die betagte Frau erwischte er im Windfang: 26-mal stach er zu, 19-mal davon gegen den Kopf. So stark, dass er sogar ihre Handflächen durchstach, mit denen sie sich schützen wollte. Und das alles, weil ihm das Paar nicht freiwillig Geld geben wollte.

Vorsitzenden Hohenecker interessiert auch die Vorgeschichte. S. saß mehrere Jahre in Deutschland wegen schwerer Erpressung im Gefängnis, nach der Entlassung fuhr er zurück in die Slowakei.Dort lebte er mit seiner Lebensgefährtin zusammen. "Waren auch Kinder im Haushalt?", fragt der Vorsitzende. "Ja, wir hatten fünf bis sechs Kinder zu versorgen." Geld war keines da, die Lebensgefährtin forderte ihn schließlich ultimativ auf, Geld zu verdienen. S. fuhr nach Wien, Arbeit fand er auch hier nicht.

In Wien auf dem Bahnhof geschlafen

Er schlief auf dem Bahnhof, aß drei Tage nichts, fragte wahllos Passanten nach einem Job – erfolglos. Also setzte er sich in einen Zug retour. Bis ihn der Schaffner in Obersiebenbrunn hinauswarf. "Ich habe noch auf den nächsten gewartet und gefragt, ob ich gratis mitfahren kann." Er konnte nicht.

Seiner Erzählung nach bettelte er einige Passanten an, ehe er zu dem alten Haus in Sichtweite des Bahnhofs kam. Er ging hinein, fragte auch dort die Eheleute nach Geld. Geld, das sie ihm nicht gaben. Also schlug und stach er zu.

Zweieinhalb Kilogramm Schmuck erbeutete er, Goldmünzen, ein Handy und eine Mundharmonika. In Pfandhäusern machte er die Beute zu Geld – und sich damit zeitlich begrenzt zum gemachten Mann. Rund neun Monate lang, wie der Vorsitzende den Geschworenen erklärt. Denn am 30. August 2012 erschlug und erstach er in einem Haus in der Slowakei einen Schlafenden und einen 81-jährigen Mann. Die Strafe: 25 Jahre.

Verteidiger will 20 Jahre

Verteidiger Rudolf Lind will eine Zusatzstrafe von maximal 20 Jahren erreichen – dann würde es nämlich nur bei den höheren 25 Jahren bleiben. Staatsanwalt Thomas Ernst will lebenslang. Das bekommt er, nicht rechtskräftig, nach etwa eineinhalb Stunden. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 17.05.2014)

  • 37 Jahre alt und doppelter Doppelmörder: Der Angeklagte Jaroslav S. vor Beginn des Verfahrens in Korneuburg.
    foto: apa/georg hochmuth

    37 Jahre alt und doppelter Doppelmörder: Der Angeklagte Jaroslav S. vor Beginn des Verfahrens in Korneuburg.

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