ÖVP-Kandidat rappt am EU-Notruf 1#33

16. Mai 2014, 18:15
22 Postings

"Revoluzzer in einer alten Partei": Philipp Michalitsch will mit Polit-Rap die schwarze EU-Liste von hinten aufrollen

Wien - Heinz-Christian Strache hat er bereits zum "Rap-Duell" aufgefordert. Der FPÖ-Chef hat aber bis jetzt nicht auf die gesungenen Zeilen "Liebe deinen Nächsten - willst du uns verarschen? Du bist der Hetzen-Meister, und ich muss dich dafür strafen", reagiert. Jetzt legt sich Philipp Michalitsch, ÖVP-Kandidat für die EU-Wahl auf Platz 33, gleich mit der ganzen "herkömmlichen Parteipolitik" in Österreich an: In seinem neuen Polit-Rap meldet sich der 27-Jährige gebürtige Niederösterreicher, der zwar "familiär in der ÖVP verwurzelt", aber kein Parteimitglied ist, wie er auf seiner Homepage schreibt, am "EU-Politik Notruf" und schleudert Satzkaskaden in die Welt.

Am Telefon ertönt eine Stimme: "Ja, ey, ich habe 1#33 gewählt. Spreche ich mit dem EU-Politik-Notruf?" Im Video geht ein junger Mann mit Anzug und Krawatte, Laptop vor sich, ans Handy und antwortet im Sprechgesang: "Richtig. Liste 1. Platz 33. Philipp Michalitsch am Apparat. Wie kann ich Ihnen dienen?"

Dann rappt er von Zeile zu Zeile, wer er denn überhaupt ist ("ein simples Ergebnis / einer fast perfekten Jugend / ohne bestimmtes Erlebnis), warum es ihn in die ÖVP verschlagen hat ("Ich bin ein Revoluzzer in einer alten Partei / aber retro und Hippie-Hipsein ist der letzte Schrei / oh mei!") und was ihn dort hält ("Ich bin kein Mitglied / aber Kurz ist der Hit"), was er vom politischen System an sich hält ("Genug von den Parteien / ich mag sie eigentlich nicht"), warum er sich die NEOS zwar angeschaut hat, aber doch nicht geblieben ist ("Ich hab mich umgeschaut / es hat mich umgehaut / doch die Stimmung und das Image ist a Hund / ich glaub, ah! / Ich war dort / hab mich dagegen entschieden") und warum er es im Wahlkampf mit Sprechgesang und pfiffigen Youtube-Videos probiert ("Weil mich sonst keine Sau hört / doch das ist furchtbar geil / denn ich kann überhaupt sagen, was sich keiner hier traut.") und wie er es gegen die Arrivierten schaffen will ("Gegen fette Schweine und Super-Sesselkleber bring ich fette Reime").

"Veränderung tut gut"

Also, singt der hoffnungsvolle ÖVP-Kandidat von den hinteren Rängen, der mehr Vorzugsstimmen als Spitzenkandidat Othmar Karas erreichen möchte: "1#33 / dann wird die Politik gleich anders / und wer diese Nummer wählt / ja, der ändert schon / 1#33." Wer das tut, wählt einen Jungpolitiker, der Bildung, Pensionen und Bund-Länder-Struktur auf seiner politischen To-Change-List stehen hat, denn: "Veränderung tut gut und ihr wisst es auch. Das ist es, was unser Europa braucht. 1#33."

Michalitsch sagt über sich selbst: "Ich stehe für die Erneuerung in der ÖVP. Eine Evolution der Partei Richtung echter 'Volks'partei." Ihm gehe es um "Veränderung hin zu einer zukunftsfähigen Politik für junge Menschen", sagt der ÖVP-Kandidat, der sich im EU-Parlament mehr junge Vertreter für die jungen Menschen in Europa wünscht. Derzeit seien von den 766 EU-Abgeordneten nur vier unter 30 Jahre alt. "Die rückwärtsgewandte Politik, die wir aus Brüssel sehen, und der derzeitige Schau-Wahlkampf nach fünf Jahren Funkstille, holt keinen mehr hinter seinem Smartphone hervor."

"Wir Jungen denken anders, weil wir in einer anderen Welt aufgewachsen sind. Wir haben eine andere Ausbildung erhalten und suchen neue Lösungen. Wir brauchen aber öfters Chancen!“, fordert Michalitsch, der an der FH Wien Unternehmensführung studiert und eine Mediationsausbildung gemacht hat. In seinem Lebenslauf finden sich Tätigkeiten in der Firma "MIRA Konsensmanagement", wo er für zuerst für Unternehmenskommunikation zuständig und danach zwei Jahre kaufmännischer Leiter war. 2013 werkte er fünf Monate im Dienste der ÖVP als politischer Referent und nun steht als Beruf "freier Musiker" in seiner Biographie.

Das Motto des ÖVP-affinen Polit-Rappers lautet übrigens: „Nicht mehr zuwarten, sondern einfach tun.“ Und bis es für ihn politisch etwas zu tun gibt, rappt er einfach seine Visionen. (Lisa Nimmervoll, derStandard.at, 16.5.2014)

  • Rappt "für Bund-Länder-Struktur": Philipp Michalitsch.
    screenshot: derstandard.at

    Rappt "für Bund-Länder-Struktur": Philipp Michalitsch.

Share if you care.