Amazon verzögert Produktlieferung, um Verlage unter Druck zu setzen

16. Mai 2014, 12:11
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Laut Medienberichten fordert der Onlinehändler größere Gewinnmargen

Es sind starke Vorwürfe, die der Verlagskonzern Bonnier gegen Amazon äußert: Der Onlinehändler soll Bonnier-Titel ungewöhnlich langsam ausliefern und so derzeit laufende Verhandlungen mit dem Verlag beeinflussen. Amazon möchte von Bonnier einen größeren Rabatt auf E-Books, statt bisher dreißig Prozent fordert der Onlinehändler bis zu fünfzig Prozent.

Bonnier: Amazon gibt Taktik zu

Im Verkauf behindert werden Bücher der deutschen Verlage Ullstein, Piper sowie Berlin und Carlsen, die alle zu Bonnier gehören. Laut Frankfurter Allgemeine Zeitung soll Amazon gegenüber Bonnier sogar bestätigt haben, dass die verzögerten Auslieferungen in direktem Zusammenhang mit den Verhandlungen stehen.

USA: Ähnlicher Fall

In den USA hatte erst letzte Woche ein ähnlicher Fall für großes Aufsehen gesorgt: Dort sah sich der Hachette-Verlag von Amazon benachteiligt. Tatsächlich hatte der Onlinehändler Hachette-Titel in den Suchergebnissen niedriger positioniert, die Preise erhöht und Kunden sogar andere Titel vorgeschlagen, sollten sie doch ein Buch des Verlags erwerben wollen.

Amazon als "repressives Regime"

Andere US-Verlage waren Hachette ebenso wie andere Onlinehändler zur Seite gesprungen: Jellybooks verglich Amazons Verhalten laut New York Times mit der Ukraine-Politik des russischen Präsidenten Putin. Sherman Alexie, Autor bei Hachette, nannte Amazon ein „repressives Regime".

Aggressives Vorgehen

In Europa ist bislang nur der Bonnier-Verlag von solchen Methoden betroffen, laut FAZ dementierten andere Verlage Probleme mit Amazon. Der Onlinehändler gilt schon länger als sehr aggressiv gegenüber Verlagen und fordert immer höhere Anteile am Verkaufsgewinn. Zusätzlich tritt Amazon bei E-Books selbst als Verleger in Erscheinung, was den Druck extra erhöht.

Politik gefragt

Die US-Autorengilde fordert nun Schritte vonseiten der Politik, um Amazon Einhalt zu gebieten. Der Onlinehändler selbst wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. (fsc, derStandard.at, 16.5.2014)

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    foto: reuters/rehle
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