3-D-Druck: Die rasante Evolution der Selbstbau-Waffen

16. Mai 2014, 11:19
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Ambitionierte Community entwickelt immer ausgefeiltere Modelle und stellt Politik vor Herausforderungen

Vor kurzem hat Japan seine Waffengesetze erstmals auf Waffen aus einem 3-D-Drucker angewandt und den in Kawasaki lebenden Yoshitomo Imura inhaftiert. Die Polizei fand bei einer Hausdurchsuchung fünf selbstgebaute Pistolen, von denen zwei geeignet gewesen wären, tödliche Schüsse abzufeuern. Im Internet kursieren schon länger fertige Modelle für entsprechende Kampfgeräte, Imura tat jedoch mehr, als diese bloß nachzudrucken.

In einem Video demonstriert er eine Eigenentwicklung namens "Zigzag". Dabei handelt es sich um einen Revolver mit .28er-Kaliber und einer Trommel für sechs Patronen. Nachempfunden ist er einem Modell des deutschen Waffenherstellers Mauser. Am Ende der Demonstration fordert Imura die "Freiheit zur Bewaffnung" für alle.

Video: Zigzag

Er ist damit Teil einer Subkultur, die sich vor einem Jahr mit dem ersten frei zugänglichen 3-D-Modell "Liberator" gefunden hat. Deren Erfinder von Defense Distributed, so berichtet Wired, hatten mit diesem Effekt gerechnet. "Wir wollten einen Überraschungsmoment schaffen", heißt es.

Herausforderungen

Seit dem Liberator, der für die Abgabe eines einzigen Schusses gebaut war, hat sich vieles getan, wie eben auch an Zigzag erkennbar ist. Zwar sehen 3-D-Waffen mit ihrem Plastikgehäuse, den Schrauben und Gummibändern großteils immer noch archaisch aus, doch ihre Evolution ist bemerkenswert.

Gesetzgeber und Behörden stellt das vor neue Herausforderungen. In den USA ist die Gesetzeslage trotz des "Undetectable Firearms Act" unklar, zumal die gedruckten Waffen bei Sicherheitskontrollen schwerer auszumachen sind als ihre konventionellen Gegenstücke.

Evolution

Defense Distributed hatte den Liberator im Mai 2013 mit Hilfe eines 8.000 Dollar teuren 3-D-Druckers von Stratasys aus zweiter Hand produziert. Noch im gleichen Monat erstellte ein Waffenliebhaber aus Wisconsin auf Basis dieser Vorlage bereits eine Waffe, die acht Schüsse abgeben konnte, ohne kaputt zu gehen. Die Werkzeuge: ein Lulzbot-Drucker für weniger als 2.000 Dollar und Druckmaterial im Gegenwert von 25 Dollar.

Kurz darauf folgte das erste gedruckte Gewehr. Mit dem "Reprringer" wurde schließlich die bislang kleinste je öffentlich vorgeführte 3-D-Waffe von einem Webuser unter dem Pseudonym "Free-D" erstellt. Viele der Modelle werden auf der FOSSCAD-Plattform gehostet, die aus der 3-D-Waffen-Community entstanden ist. Zu finden sind dort auch Vorlagen für Ersatzteile für echte Waffen.

Video: Pepperbox

Frage der Zeit

Im Moment, so erklärt ein Mitglied von FOSSCAD gegenüber Wired, können semiautomatische Waffen nur teilweise aus gedruckten Bauteilen erzeugt werden. Es sei jedoch nur eine Frage der Zeit, bis komplett gedruckte Waffen ähnlich haltbar und tödlich seien.

"Hätte man vor dem Liberator gefragt, ob man eine Waffe aus Kunststoff bauen kann, wäre man ausgelacht worden", so seine Aussage. Nur weil solche Schießgeräte heute noch nicht sehr praktisch seien, bedeute das nicht, dass sie das nicht in Zukunft noch werden könnten. (red, derStandard.at, 16.5.2014)

Video: Reprringer v3

  • Eine weiterentwickelte Version des "Reprringer"-Minirevolvers.
    foto: fosscad

    Eine weiterentwickelte Version des "Reprringer"-Minirevolvers.

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