Tibeter "werden Minderheit im eigenen Land"

16. Mai 2014, 07:45
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Jetsun Pema, Schwester des Dailai Lama, berichtete in Wien über die Lage in der chinesischen Provinz

"Die Welt blickt in diesen Tagen auf die Ukraine" - selbst den Veranstaltern des Pressegesprächs in Wien über die Menschenrechtslage in Tibet ist bewusst, worüber derzeit am meisten berichtet wird. Trotzdem versuchte man Mitte der Woche mit dem Auftritt von Jetsun Pema, der Schwester des Dalai Lama, auf die Lage in China aufmerksam zu machen.

Schließlich gebe es auch sehr viele Parallelen zwischen der chinesischen Provinz und der Ukraine, meint Elisabeth Zimmerman, Obfrau von "Save Tibet". Mit dem Unterschied, "dass der Konflikt in Tibet schon 60 Jahre andauert". Das finde nur keine entsprechende Würdigung in der westlichen Welt, die Angst vor dem Machtfaktor China spiele dabei eine wichtige Rolle. "Menschenrechtsverletzungen sind keine Einmischung in innere Angelegenheiten", betonte Zimmermann, auch wenn China bei Kritik immer von Einmischung spreche.

Der Kultur Tibets drohe die Auslöschung warnte Pema: "Die Tibeter werden zu einer Minderheit in ihrem eigenen Land." Immer mehr zuziehenden Chinesen stehen zahlenmäßig unterlegene Tibeter gegenüber. Religion, Kultur und Traditionen zu leben, werde unter chinesischer Herrschaft immer schwieriger. Umso wichtiger sei der Erhalt der tibetischen Kultur in eigenen Schulen. Laut der Dalai Lama-Schwester existieren in Indien fünf Tibet-Kinderdörfer und 17 Schulen für tibetische Kinder, die sich um 15.000 Kinder kümmern. Im Lauf der Jahre wurden rund 50.000 Kinder betreut.

Die Schwester des geistlichen Oberhaupts der Tibeter und vormals erste Frauenministerin der tibetischen Exil-Regierung hält sich in Österreich auf, um mit der Hilfsorganisation "Save Tibet" das 20-Jährige Bestehen zu feiern. Der Verein organisiert jedes Jahr eine Vielzahl von Kampagnen und Fundraising-Veranstaltungen zum Thema Tibet.

Mittlere Weg

In Tibet flammen immer wieder Proteste auf. Demonstrationen gebe es vor allem im Osten Tibets, wo auch die meisten Nomaden leben. Aufgrund ihres nicht sesshaften Lebensstil seien sie für Peking schwer zu kontrollieren und auch die letzte Bastion tibetischer Kultur. China versuche das zu ändern: Rund 2,3 der sechs Millionen Tibeter wurden bereits zwangsumgesiedelt. Ihnen stehen rund sieben Mio. Chinesen gegenüber.

Flüchten können indes immer weniger, Reisepässe werden Tibetern oft verweigert, die Sicherheitsmaßnahmen an den Grenzen wurden speziell während und nach den olympischen Spielen von Peking drastische verschärft. Traten früher oftmals noch Tausende jedes Jahr die beschwerliche Flucht über das Gebirge ins benachbarte Ausland an, seien es mittlerweile nur mehr wenige hundert.

Österreich habe bei der Unterstützung der Tibeter immer eine besondere Rolle gespielt. "Save Tibet" dankt mit seinem Jubiläumsfest am Samstag (ab 10 Uhr im Don Bosco Haus, 1130 Wien) auch den vielen Menschen, die Patenschaften für tibetische Kinder übernommen haben. Mehr als 1.700 waren es bisher. (red, derStandard.at, 16.5.2014)

  • Jetsun Pema, die Schwester des Dalai Lama, mit zwei Exil-Tibetern, die viele Jahre von österreichischen Pateneltern unterstützt wurden.Sie sind Ehrengäste beim Familien-Jubileums-Fest von "Save Tibet" - am kommenden Samstag, 17. Mai, 10-22 Uhr, im Don Bosco-Haus in 1130 Wien.
    foto: matthias schickhofer / save tibet

    Jetsun Pema, die Schwester des Dalai Lama, mit zwei Exil-Tibetern, die viele Jahre von österreichischen Pateneltern unterstützt wurden.
    Sie sind Ehrengäste beim Familien-Jubileums-Fest von "Save Tibet" - am kommenden Samstag, 17. Mai, 10-22 Uhr, im Don Bosco-Haus in 1130 Wien.

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