Mehr als 100 Tote nach Fährunglück in Bangladesch

16. Mai 2014, 10:24
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Zahl der Vermissten unklar - Schiff war mit 200 Menschen an Bord gekentert

Dhaka - Die Zahl der Toten beim Fährunglück in Bangladesch ist am Freitag auf 29 gestiegen. Das Schiff "MV Miraz" war am Vortag mit mehr als 200 Menschen an Bord in einem Sturm gekentert und gesunken. Unklar blieb, wie viele Menschen noch vermisst wurden. Saiful Hasan Badal, Verwaltungschef des Distrikts Munshiganj sagte, wahrscheinlich hätten sich fast 100 Menschen schwimmend retten können.

Die Fähre war auf dem Weg von Dhaka nach Shariatpur, als sie in dem Hunderte Meter breiten Fluss während eines plötzlichen Gewittersturms umkippte. Viele der 200 Passagiere hätten sich wegen des Sturms in den unteren Decks aufgehalten und seien dort gefangen gewesen, als das Schiff sank, sagte der Chef der Schifffahrtsbehörde, Shamsuddoha Khandaker.

Nach wie vor ist unklar, wieviele Menschen genau an Bord der Unglücksfähre waren. Khandaker sprach von "150 bis 200" Passagieren. Am Vortag war von bis zu 350 Passagieren die Rede gewesen. Laut Khandaker konnten sich bis zu 40 Menschen retten, weil sie ans Ufer schwammen oder von Fischern aus dem Fluss gezogen wurden. Die Behörden leiteten eine Untersuchung ein um zu klären, ob die Fähre überladen war.

Schwere Vorwürfe gegen Kapitän

Überlebende des Unglücks erhoben am Freitag schwere Vorwürfe gegen den Kapitän der "MV Miraz". "Der Himmel wurde schwarz und Dutzende von uns haben ihn angefleht, wegen des aufziehenden Sturms am Ufer vor Anker zu gehen", sagte ein Überlebender. "Er hat nicht auf uns gehört." Demnach überstand das Schiff zwei riesige Wellen, die dritte Welle brachte es zum Kentern. Die Fähre sank binnen weniger Minuten.

Hunderte verzweifelte Angehörige waren auch am Freitag an den Ufern des Meghan-Flusses, wo die bisher geborgenen Leichen identifiziert werden mussten. Manche halfen freiwillig bei der Suche nach Vermissten. Zwei Versuche, die Fähre zu heben, scheiterten bereits. Ein Rettungsschiff soll nun das Wrack an Land ziehen.

In Bangladesch, das in einem riesigen Flussdelta liegt, sind Fähren das Haupttransportmittel. Immer wieder kommt es in dem armen, dicht bevölkerten Land zu schweren Schiffsunglücken, weil Sicherheitsregeln nicht eingehalten oder zu viele Passagiere aufgenommen werden. Im April und Mai wird Bangladesch zudem häufig von Stürmen überzogen - Vorboten der meist Anfang Juni beginnenden Regenzeit.

Die Regierung versprach 1.000 US-Dollar Entschädigung für die Angehörigen der Opfer. Ein Beamter der Binnenschifffahrtsbehörde erklärte, die Fähre sei überfüllt gewesen. Eigentlich sei sie nur für 122 Passagiere ausgelegt. (APA/Reuters, 16.5.2014)

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