Zwei Tote bei Protesten am Tag der palästinensischen "Katastrophe"

15. Mai 2014, 22:55
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Kundgebungen im Westjordanland zu Flucht und Vertreibung 1948

Ramallah - Bei Protesten im Westjordanland am palästinensischen Gedenktag der "Nakba" (Katastrophe) haben israelische Grenzpolizisten zwei Demonstranten erschossen. Wie an jedem 15. Mai erinnerten die Palästinenser am Donnerstag mit zahlreichen Kundgebungen an die Flucht und Vertreibung von rund 760.000 Landsleuten, die 1948 auf die Gründung des Staats Israel folgte.

Dabei kam es an zwei Orten nach Angaben von Sanitätsdiensten zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit israelischen Grenzpolizisten. Etwa 150 Demonstranten belagerten das israelische Militärgefängnis Ofer bei Ramallah und verlangten die Freilassung von Gefangenen. Grenzpolizisten schossen mit scharfer Munition; ein 17-jähriger Demonstrant wurde nach ärztlichen Angaben mit einer Schussverletzung im Brustbereich in ein Krankenhaus gebracht, wo er starb. Ein 20-jähriger wurde ebenfalls tödlich in die Brust getroffen, wie die Sanitäter vor Ort berichteten. Auch am Grenzübergang Kalandija im Norden Jerusalems kam es zu Zusammenstößen. Demonstranten setzten Reifen in Brand und warfen mit Steinen auf Polizisten, die mit Gummigeschoßen und Wasserwerfern antworteten.

Friedlich verliefen Kundgebungen in Nablus und Hebron sowie im Gazastreifen nahe des Grenzübergangs Erez. In Ramallah, Sitz der Palästinensischen Autonomiebehörde, standen Fußgänger und Autos auf den Straßen 66 Sekunden lang still, während Sirenen heulten.

"An diesem 66. Jahrestag der Nakba hoffen wir, dass das kommende Jahr dasjenige sein wird, in dem unser langes Leiden endet", sagte Präsident Mahmoud Abbas in einer Rundfunkansprache, die am Mittwochabend ausgestrahlt wurde. "Es ist Zeit, die längste Besatzung der modernen Zeitgeschichte zu beenden, und Zeit, dass die Führer Israels begreifen, dass es für unser Volk kein anderes Heimatland gibt als Palästina", sagte Abbas. (APA, 15.5.2014)

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