Studie empfiehlt Fokus auf Vorschule

15. Mai 2014, 19:46
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Institut für Höhere Studien kritisiert bildungspolitischen Reformstau - Mehr Investitionen in Grundlagenforschung nötig

Wien - Damit Österreich bis 2050 konkurrenzfähig bleibt, müsse der bildungspolitische Reformrückstau aufgearbeitet und die Weiterentwicklung der Grundlagenforschung und der Forschungsaktivitäten an den Hochschulen forciert werden. Das attestieren Experten des Instituts für Höhere Studien (IHS) in der am Donnerstag vorgestellten Studie "Vision 2050 - Chancen für Österreich".

Startvoraussetzung nicht gleich

Als Schlüssel zu einer positiven gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung in den kommenden Jahrzehnten nennen die Studienautoren um IHS-Chef Christian Keuschnigg einmal mehr das Bildungssystem. Vor allem die unzureichende Integration bzw. Qualifikation des wachsenden Bevölkerungssegments der Immigranten gebe zu denken. Um die Selektivität des Bildungssystems zu verringern und großen Unterschieden im Bildungsniveau vorzubeugen, sollte größeres Augenmerk auf die vorschulische Bildung gelegt werden, so eine der Empfehlungen. Bisher sei es nicht gelungen, unterschiedliche Startvoraussetzungen auszugleichen.

Zudem seien die Leistungsunterschiede zwischen den Schulen zu hoch. Die Studie weist darauf hin, dass sich um das Jahr 2050 jene Jahrgänge in Richtung Pension bewegen, denen in den Pisa-Tests ein hoher Anteil an Risikoschülern attestiert wird. Deshalb werde auch der Bereich der Erwachsenenbildung wichtiger, so die IHS-Experten. Sie haben sich bei ihren Schlussfolgerungen auf statistische Daten und Projektionen sowie wissenschaftliche Untersuchungen gestützt. Die Studie wurde vom Rat für Forschung- und Technologieentwicklung und dem Austrian Institute of Technology in Auftrag gegebenen und bei einem ORF-Dialogforum im Parlament präsentiert.

Attraktivere Karrierewege für Forscher

Um in den Bereichen Forschung, Technologieentwicklung und in der Umsetzung von wissenschaftlichen Erkenntnissen in der Wirtschaft am Ball zu bleiben, müsse vor allem im Bereich der Hochschulbildung vieles umgesetzt werden. Dazu gehören die Verbesserung der Betreuungsverhältnisse, die Aufwertung der Hochschullehre, die Steigerung der universitären Grundbudgets, die Erhöhung der kompetitiv vergebenen Mittel für Forschung oder die Schaffung von attraktiven Karrierewegen für Forscher.

2012 hat der Anteil von Forschern an der Zahl aller Beschäftigter 0,9 Prozent betragen und lag damit um 0,4 Prozentpunkte höher als 2000. Setzt sich diese Entwicklung fort, könnte sich die Zahl der Forscher bis 2050 auf das Doppelte erhöhen. Das alleine reiche aber nicht, um einen wesentlichen Fortschritt in Wissenschaft und Forschung zu erzielen, heißt es in der Studie.

2,81 Prozent Forschungsquote

Österreich nimmt mit einer Forschungsquote von 2,81 Prozent aktuell den zwölften Platz im weltweiten Ranking ein. Vor dem Hintergrund der gebremsten Entwicklung seit der Wirtschaftskrise bedarf es einer Wiederankurbelung der Dynamik im Bereich Forschung und Entwicklung, so die Experten. Nach dem erfolgreichen Aufholprozess in der Unternehmensforschung in den vergangenen zwei Jahrzehnten sollte Österreich nun verstärkt den Fokus auf die Grundlagenforschung bzw. die Forschung im Hochschulsektor legen.

Firmengründungen unterstützen

Um den Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die Wirtschaft voranzutreiben, gelte es, Rahmenbedingungen für die Firmengründung zu verbessern. Gerade für junge Unternehmen "mit radikalen und riskanten Ideen ist der Zugang zu Kapital oft schwierig", konstatieren die Experten. Abhilfe könnten hier Initiativen für mehr Risikokapital schaffen.

Damit Unternehmen international konkurrenzfähig bleiben können, sollte neben der Verbesserung des Bildungs- und Forschungssystems auch der Abbau von Hindernissen bei der Zuwanderung hochgebildeter Menschen angestrebt werden. Was das Arbeitskräfteangebot insgesamt angeht, gehen die Experten trotz der ungünstigen demographischen Entwicklung von annähernd gleichem Niveau aus. Zwar werde der Anteil an Personen im erwerbsfähigen Alter weniger, das würde aber mit steigender "Erwerbsneigung" kompensiert. (APA, 15.5.2014)

  • Ein größeres Augenmerk auf die Vorschule kann die unterschiedlichen Startvoraussetzungen für Kinder ausgleichen, sagen die Studienautoren.
    foto: dpa/rumpenhorst

    Ein größeres Augenmerk auf die Vorschule kann die unterschiedlichen Startvoraussetzungen für Kinder ausgleichen, sagen die Studienautoren.

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