Gründer von Media-Saturn will Märkte zurück

16. Mai 2014, 05:30
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Der Machtkampf um Europas größte Elektronikkette Media-Saturn verschärft sich

Am Geld soll es nicht scheitern. "Wir haben das alles gründlich durchgerechnet und ausgearbeitet. Die Finanzierung ist nicht das Thema, zumal ich auch interessierte Investoren an der Hand habe", sagt Milliardär Erich Kellerhals in der Süddeutschen Zeitung und macht damit Metro eine Kampfansage.

Das Verhältnis zwischen dem 74-Jährigen und dem deutschen Handelskonzern Metro, der mit Media-Saturn ein Drittel seines Umsatzes macht, ist seit Jahren schlecht. Kellerhals war 1979 einer der vier Gründer von Media Markt. 1990 übernahm Media Markt den Konkurrenten Saturn. Die beiden Marken blieben, es gibt heute 758 Media- und 220 Saturn-Märkte weltweit. Der größte Anteil (78 Prozent) gehört Metro, Kellerhals hält 21,6 Prozent.

Der Preiskampf in der Branche und die Konkurrenz der Onlinehändler setzen dem Elektronikriesen zu. Erst vor einigen Tagen hatte Metro-Chef Olaf Koch eingeräumt: "Die Entwicklung der letzten Wochen war unerfreulich, um es höflich auszudrücken."

Kellerhals hält mit seinem Missmut über das Management nicht hinter dem Busch. Kritik allein könnte Metro verkraften. Doch Kellerhals hat trotz seiner Minderheitsbeteiligung umfassende Vetorechte. Da in der Gesellschafterversammlung von Media-Saturn Beschlüsse nur mit einer Mehrheit von 80 Prozent gefällt werden können, kann Kellerhals alle wichtigen Entscheidungen blockieren.

Streit ging vor Gericht

Koch ist seit geraumer Zeit dazu übergegangen, die Gesellschafterversammlung zu entmachten und Entscheidungen in einen Beirat zu verlagern. Dagegen geht Kellerhals juristisch vor, zuletzt jedoch hat das Oberlandesgericht München Metro den Rücken gestärkt, woraufhin Koch zufrieden verkündete: "Wir können Media-Saturn künftig weitgehend über den Beirat steuern."

Doch auch abseits des Gerichts fliegen die Fetzen. "Ich kann mir mein Gegenüber nicht aussuchen", sagte Kellerhals über Koch. Metro-Vorstände "kommen und gehen", erklärt er und fügt hinzu: "Manche verstehen zum Glück etwas vom Handel, manche eben nicht." Auf seiner Homepage hat Kellerhals Koch schon als "Diktator" bezeichnet und ihn für die Abgänge von Media-Saturn-Geschäftsführern verantwortlich gemacht.

Wie es nun weitergehen soll, ist unklar. Kürzlich haben sich die Streithähne sogar persönlich getroffen. "Wir haben unter anderem vorgeschlagen, jede wichtige Entscheidung künftig erst gemeinsam und einvernehmlich zu klären, bevor wir sie in den zuständigen Gremien diskutieren", erklärte Koch danach. Das Kaufinteresse von Kellerhals will Metro nicht kommentieren, es hieß jedoch, man sei an einer "Befriedung" der Verhältnisse interessiert.

Koch hat zudem mehrmals wissen lassen, dass Metro interessiert sei, den Anteil von Kellerhals zu übernehmen. Sollte umgekehrt daraus ein Deal werden, dann müsste Kellerhals tief in die Tasche greifen. Der Wert der Elektronikkette mit 56.000 Beschäftigten wird auf sieben Milliarden Euro geschätzt. (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, 16.5.2014)

  • 56.000 Beschäftigte arbeiten für die Media-Saturn-Holding, um die sich Milliardär Erich Kellerhals und Metro streiten.
    foto: epa/gong fen

    56.000 Beschäftigte arbeiten für die Media-Saturn-Holding, um die sich Milliardär Erich Kellerhals und Metro streiten.

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