Personalnot in Spitälern: Vor dem Kollaps

Kommentar15. Mai 2014, 18:20
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Es ist Mut zur Veränderung nötig, damit die Gesundheitsreform greift

Die Idee klingt so simpel wie logisch: Pflegepersonal in den Krankenhäusern wird künftig besser - weil akademisch - ausgebildet und von Assistenten und Helfern entlastet, die sich um jene Dinge kümmern, die mit Medizin wenig zu tun haben. "Die Besten an die Betten" lautet der Grundsatz, auf dem ein entsprechendes Papier der Landesgesundheitsreferenten fußt.

Bei der Reorganisation schwingt freilich noch etwas ganz anderes mit, auch wenn darüber niemand so gerne redet: Es dräut der Systemkollaps. Dem Gesundheitsbereich kommt massiv Personal abhanden; mangels Uni-Absolventen sind selbst in Wien die Wartelisten für Turnusplätze praktisch leer, in vielen ländlichen Regionen ist das seit Jahren so. Und das, obwohl die von der EU urgierte Verringerung der Arbeitszeiten, die den Personalbedarf in die Höhe schnellen lassen wird, erst bevorsteht. Die Babyboomer-Generation geht demnächst in Pension, das reißt in allen Gesundheitsberufen ein Loch ins Personalkontingent.

Eine neue Arbeitsteilung in den Krankenhäusern könnte die Personalnot zumindest ein wenig abfedern. Wie sehr der Hut brennt, sieht man daran, dass sowohl Standesdünkel als auch Parteigrenzen bei dieser Reform außen vor zu sein scheinen. Nach den Pflegern und Ländern müssen nun die Ärzte und Medizin-Unis Willen zur Veränderung zeigen - sonst bleibt die Reform ein kleines Pflaster auf einer klaffenden Wunde. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 16.5.2014)

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