Neue Arbeitsteilung beim Pflegepersonal

15. Mai 2014, 18:16
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Mit einem Papier aus den Ländern wird die Pflege in den Spitälern grundlegend organisiert. Die Ausbildung wird akademischer

Wien - Es ist eine ordentliche zeitliche Vorgabe, die die Landesgesundheitsreferenten dem Bund gemacht haben: Ihr am Mittwochabend einstimmig beschlossenes Papier zur Neuordnung der Pflegeberufe und -ausbildung soll noch vor dem Sommer in ein Gesetz gegossen werden. Und es beinhaltet nichts weniger als eine grundlegende Reform der Arbeitsteilung in den Spitälern.

Künftig soll es drei Gruppen innerhalb des Pflegepersonals geben: die Pflegehilfe, die Pflegeassistenz und den gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege. Derzeit besteht das Gros des Pflegepersonals aus diplomierten Kräften, die auch Hilfs- und Strukturdienste unterhalb ihres Ausbildungsniveaus übernehmen. Es sei nicht zuletzt eine Frage der Arbeitszufriedenheit, das zu ändern, sagt die Wiener Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SP): "Für viele Tätigkeiten überqualifiziert zu sein macht auf Dauer nicht glücklich." Wehsely hat das Papier gemeinsam mit dem niederösterreichischen Landesrat Wolfgang Sobotka (VP) entwickelt.

Nach dem Beschluss im Nationalrat - voraussichtlich im Herbst - müssen die Länder darangehen, die Ausbildung auf neue Beine zu stellen. Zum "gehobenen Dienst" soll künftig mittels eines sechssemestrigen Bachelor-Studiums an Fachhochschulen ausgebildet werden. Pflegehelfer sollen eine zweisemestrige Ausbildung absolvieren, Pflegeassistenten eine viersemestrige. Neu ist auch das Berufsbild der "Serviceassistenten", die die hauswirtschaftlichen Aufgaben im Krankenhaus übernehmen sollen.

Wehsely betont, dass es eine hohe Durchlässigkeit zwischen den Berufsgruppen geben soll. Voraussetzung für das Fachhochschulstudium ist eigentlich die Matura, nach Wehselys Wunsch soll aber auch die Ausbildung zum Pflegeassistenten ein Studium ermöglichen.

Bei den Betroffenen gibt es Zustimmung für die neue Arbeitsteilung. Erika Degendorfer, die Leiterin des Pflegemanagements im Wiener Krankenanstaltenverbund, hält es für "sinnvoll, unterschiedliche Berufsniveaus und Fachqualifikationen anzubieten", und freut sich über das "durchlässige Karrieremodell".

Die Neuordnung findet auch vor dem Hintergrund des dräuenden Ärztemangels statt, denn selbst in Wien leeren sich die Wartelisten für Turnusärzte - die oft Tätigkeiten übernehmen, die eigentlich auch von diplomiertem Personal ausgeübt werden könnten. Eine Gesetzesänderung ist laut Wehsely derzeit nicht geplant; allerdings müsse man dafür sorgen, dass die diplomierten Pfleger die gesetzlich zulässigen Aufgaben auch ausüben können.

Im Gesundheitsministerium freut man sich über das Papier der Landesgesundheitsreferenten - und betont, das Spitalspersonal müsse sich nicht vor den Veränderungen fürchten: Sie würden in das neue Berufsgruppenmodell integriert.

Plus bei den Kassen

Anlass zur Freude im Ministerium dürften auch die am Donnerstag veröffentlichten Zahlen zu den Finanzen der Krankenkassen geben. 2013 haben sie laut Hauptverband einen Überschuss von 217 Millionen Euro erwirtschaftet. Im Minus sind noch die Kärntner Gebietskrankenkasse (GKK) und die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft. Bemerkenswert ist das Plus der Wiener GKK, die lange das finanzielle Sorgenkind war. Das Plus fällt dort mit 115,4 Millionen Euro aber nicht zuletzt deshalb so groß aus, weil die Kasse im Vorjahr eine Umsatzsteuerrückvergütung für Medikamente bekam. "Negatives Reinvermögen", sprich: Schulden, von 43,3 Millionen Euro verbucht die WGKK nach wie vor - als einziger Sozialversicherungsträger. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 16.5.2014)

  • Wer greift im Spital künftig wem unter die Arme? Die Arbeit im Pflegebereich wird völlig neu aufgeteilt.
 
    foto: standard/newald

    Wer greift im Spital künftig wem unter die Arme? Die Arbeit im Pflegebereich wird völlig neu aufgeteilt.

     

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