ÖVP demonstriert Einigkeit hinter Karas

15. Mai 2014, 18:06
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Am 10. Tag vor der EU-Wahl lud die ÖVP in die Sophiensäle - teils, um sich ihrer selbst zu versichern, teils, um Othmar Karas eine Bühne für seine Vision zu bieten

Wien - Feueralarm in den Sophiensälen. Das weckt ungute Erinnerungen, schließlich ist die Brandruine erst kürzlich nach einem Feuer wiederaufgebaut und als Veranstaltungszentrum eingerichtet worden. Der Alarmton ist schrill, aber nicht so schrill, dass der Redner seinen Humor verlieren würde. Othmar Karas bleibt auf der Bühne, die rund 800 Fans, großteils grauhaarige ÖVP-Funktionäre, bleiben auf ihren Sitzen.

Nach einer knappen Minute ist der Alarm - es war der erste von mehreren - als Fehlalarm diagnostiziert, das Warnsignal ausgeschaltet, die Aufmerksamkeit wieder auf den Kandidaten gerichtet. Aber ehe dieser weiter dem Manuskript folgt, in das er ein Zitat von Matthias Horx eingebaut hat, wendet er sich ganz persönlich an die versammelten Funktionäre der Volkspartei: Ja, Störungen von außen kämen immer wieder vor. Aber die ÖVP lasse sich dadurch nicht beirren.

Heiterkeit. Man will ihm gerne glauben. Man hätte auch gerne, dass die ÖVP innen und außen geschlossen wäre - so wie es vor Karas auch Generalsekretär Gernot Blümel beschworen hatte. Der hatte gleich die Zweifel aufgegriffen, ob es in einer Zeit, wo sechs Parteien im österreichischen Parlament vertreten sind, überhaupt noch einer Volkspartei bedürfe, die die Interessen aller Bevölkerungsgruppen vertreten will und diese auch intern auszustreiten bereit ist.

Blümels wenig überraschende Folgerung: Gerade jetzt brauche es solch breit aufgestellte Volksparteien, in Österreich eben brauche es die ÖVP. Die stehe für Stabilität, Planbarkeit, Verlässlichkeit. Auch für den Respekt vor dem Eigentum, was mit Beifall bedacht wird, schließlich ist die ÖVP in keiner Frage so geschlossen wie in der Ablehnung von Vermögenssteuern.

Karas versucht nach dieser Einleitung Blümels, die europapolitischen Eckpfeiler einzuschlagen. Er spricht die gefühlte Entfernung zwischen daheim und Europa an - und warnt vor allen Bestrebungen, sich auf nationale Politikfelder zurückzuziehen: "Der Rückzug würde in eine Sackgasse führen. Es ist unsere zentrale Verantwortung, Europa besser zu machen", daher brauche es ein klares Verständnis davon, wie sich Europa weiterentwickeln soll. Karas wirbt in diesem Zusammenhang für einen Konvent unter Bürgerbeteiligung. Die EU-Wahl sieht er als "Richtungswahl" zwischen jenen, die bereit sind, Europa gemeinsam zu stärken und jenen, die Österreich isolieren wollen.

"Mein Europa"

Immer wieder sagt Karas "mein Europa" und gerät dabei sichtlich und hörbar ins Schwärmen. "Mein Europa" - das sei ein "Fenster zur Zukunft". Das sei eben nicht die von (Neo)Liberalen geforderte Freihandelszone zwischen Wladiwostok und Los Angeles, sondern eine Gemeinschaft - und zwar durchaus eine wehrhafte Gemeinschaft, ein internationaler Player, nicht bloß "freundliche Soft-Power".

Dass das den Nationalstaaten ein anderes Selbstverständnis und eine ehrliche Reformbereitschaft abverlangen würde, verschweigt Karas nicht. Und der folgende Applaus scheint ihn zu bestätigen: In diesen Momenten versteht sich die ÖVP als Europapartei. Dann kommt Parteichef Michael Spindelegger auf die Bühne, er ignoriert das auf dem Rednerpult bereitgelegte Manuskript für seine Rede zur Lage der Nation und extemporiert: Als Finanzminister lobt er alle Bemühungen um eine Verwaltungsreform, als Vizekanzler beschwört er das Ende der Krise - und als Parteichef geißelt er jede Form von Populismus. Applaus. Keine Diskussion. Bundeshymne, gemeinsam gesungen.

In neun Tagen ist Wahltag. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 16.5.2014)

  • Lässt sich von einem Feueralarm nicht davon abbringen, einen feurigen Appell für Europa zu halten: ÖVP-Kandidat Othmar Karas am Donnerstag in den Sophiensälen in Wien.
    foto: apa/fohringer

    Lässt sich von einem Feueralarm nicht davon abbringen, einen feurigen Appell für Europa zu halten: ÖVP-Kandidat Othmar Karas am Donnerstag in den Sophiensälen in Wien.

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