Ab 10. Juli spricht die Telekom Mexikanisch

15. Mai 2014, 17:54
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Großaktionär América Móvil macht bei der Telekom Austria Nägel mit Köpfen. Um die Alleinherrschaft zu erlangen, zahlen die Mexikaner 7,15 Euro pro Aktie

Wien - Mit dem am Donnerstag veröffentlichten Übernahmeangebot von 7,15 Euro pro Aktie der Telekom Austria (TA) gewährt América Móvil (Amov) tiefen Einblick in die künftige Machtverteilung und Zusammenarbeit mit dem staatlichen TA-Aktionär ÖIAG. So ist das Vetorecht der Staatsholding gegen Kapitalerhöhungen deutlich stärker eingeschränkt, als seit Ende April bekannt war.

So soll die Expansion in Osteuropa innerhalb des Amov-Reiches wohl exklusiv über TA abgewickelt werden. Erhebt die ÖIAG allerdings Einspruch gegen eine von Amov geplante Kapitalerhöhung, so verliert sie im Gegenzug die Exklusivität für Zukäufe in Zentral- und Südosteuropa. Die Vereinbarung gilt nur, "solange ÖIAG kein Veto gegen Kapitalerhöhungen ausübt", heißt es in dem 40-seitigen Angebot.

Bereits fixiert wurde eine Kapitalerhöhung über bis zu eine Milliarde Euro. Mit diesem Geld soll die aufgrund von Dividendenzahlungen und Frequenzzukäufen dünn gewordene Kapitaldecke der TA bis spätestens Mitte 2015 aufgestockt werden. Die beiden Großaktionäre peilen die Kapitalzufuhr je nach Marktumfeld im zweiten Halbjahr 2014 oder im ersten Halbjahr 2015 an. Die ÖIAG hat bereits angekündigt, dafür 250 bis 280 Mio. Euro in die Hand zu nehmen, um von 28,4 Prozent nicht unter die Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie zu fallen. Slim und seine Amov wollen ihre Bezugrechte hingegen entsprechend ihrer Beteiligungshöhe ausüben. Darüber hinaus könnte Amov "jene Aktien aufgreifen, für die das Bezugsrecht der übrigen Aktionäre nicht ausgeübt wurde". Aktuell hält Amov 26,8 Prozent an TA. Dass Amov an der ÖIAG vorbeizieht, gilt als fix.

Gemeinsames Ziel

Die ÖIAG betonte am Donnerstag einmal mehr, dass es "das klare gemeinsame Ziel von ÖIAG und América Móvil" sei, "zukünftige Wachstumsschritte in Zentral- und Osteuropa exklusiv über die Telekom Austria zu tätigen". Schließlich mache für America Movil eine Expansion in Osteuropa über die Telekom "deutlich mehr Sinn als ein Alleingang". Im Übrigen werde die ÖIAG Kapitalerhöhungen dann zustimmen, wenn sie wertsteigernd sind und das dafür notwendige Kapital in absehbarer Zeit zurückverdient werden kann", erklärte ÖIAG-Sprecher Bernhard Nagiller via Aussendung.

Bestätigt wird mit dem Übernahmeangebot, was aus der chaotischen Aufsichtsratssitzung am 23. April - Präsident Peter Mitterbauer musste extra einfliegen, um das Quorum für den Syndikatsvertrag zu sichern - durchgesickert war: Amov schafft künftig in TA-Vorstand und TA-Aufsichtsrat ebenso an wie in der Syndikatsversammlung - DER STANDARD berichtete exklusiv. Die ÖIAG hingegen verfügt nur über Vetorechte, solange sie mehr als 25 Prozent hält. Sinkt ihr Anteil zwischen 25 und zehn Prozent, muss sie auf einige Rechte verzichten. Fällt sie unter zehn Prozent, gilt der auf zehn Jahre geschlossene Syndikatsvertrag als gelöst. Aktionäre haben nun bis 10. Juli Zeit, Amov (die über ihr niederländisches Vehikel Carso Telecom anbietet) ihre Aktien anzubieten. Geben alle Aktionäre ihre Papiere ab, würde dies Amov 1,41 Milliarden Euro kosten. (ung, DER STANDARD, 16.5.2014)

  • Direkter Draht auf Mexikanisch: Auch ohne Mehrheit sicherte sich América Móvil Macht und Einfluss bei der Telekom Austria.
    foto: reuters / leonhard foeger

    Direkter Draht auf Mexikanisch: Auch ohne Mehrheit sicherte sich América Móvil Macht und Einfluss bei der Telekom Austria.

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