Streit um Praxisjahr für Medizinstudenten

15. Mai 2014, 18:13
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Med-Uni Wien hat noch keinen Vertrag mit großen Wiener Krankenhäusern - Studenten werden nervös

Wien - Unruhe herrscht derzeit bei jenen rund 640 Studenten der Med-Uni Wien, die, beginnend mit 4. August, ihr Klinisch-Praktisches Jahr (KPJ) in Krankenhäusern beginnen sollen. In Wien spießt es sich bei der Vorbereitung und Umsetzung trotzdem noch immer: Die Gespräche mit den Krankenanstalten haben erst spät begonnen, und nun streitet man ums Geld.

Kurz die Fakten: In Wiener Krankenhäusern gibt es erst 211 KPJ-Plätze; fast alle am AKH. Studierende, die da nicht unterkommen, müssen (aus jetziger Sicht) nach Oberösterreich, Vorarlberg oder Salzburg auspendeln. Dort hat die Med-Uni Wien in den vergangenen Monaten rund 400 KPJ-Plätze organisiert; die Verträge sind allerdings zeitlich befristet.

Was fehlt, ist eine Einigung mit dem Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) und seinen elf Spitälern (mit AKH), den Trägern der großen Privatspitäler wie Barmherzige Brüder oder Vinzenzgruppe und jenen in Niederösterreich, Kärnten und der Steiermark.

Die meisten von ihnen haben sich in Sachen KPJ mit dem KAV zusammengetan, zuständig ist dessen Vizechef Udo Janßen. Seine Gruppe, so Janßen, könnte rund 350 Plätze offerieren. Ihr Ziel sei ein einheitlicher Vertrag: "Jeder, der in Österreich Medizin studiert, soll das KPJ zu gleichen Konditionen und überall absolvieren können."

Aber: Die Krankenhausträger wollen Geld sehen, laut ihrem Vertragsentwurf, der Unterricht und Mentoren für die Studierenden vorsieht, 10.000 Euro je Studienplatz und Jahr. Das sei jedoch verhandelbar. Ganz ohne Vergütung werde es aber nicht abgehen, schließlich müsse man die Studierenden auch ausbilden.

Kosten nicht budgetiert

Die Med-Uni Wien sieht das ganz anders. Sie will den Krankenanstalten nichts zahlen - derartige Beiträge sind, notabene, auch gar nicht budgetiert. Pressesprecher Johannes Angerer: Die "bestens ausgebildeten Studierenden" stellten ja "eine Bereicherung für die Spitäler" dar, offenbar aber nicht für den KAV.

Die Studenten werden jedenfalls immer nervöser, fragen sich, "wie es sein kann, dass man das Studium umgestellt hat, ohne die Praktikumsplätze rechtzeitig sicherzustellen", so die ÖH-Chefin der Med-Uni Wien, Sarah Schober.

Einstiegstermine gibt es alle acht Wochen. An den Med-Unis Graz und Innsbruck gibt es längere Übergangsfristen. Das KPJ muss im sechsten Studienjahr abgeleistet werden. Die Umstellung des Studien-Curriculums hat der Senat der Uni im Juni 2013 beschlossen.

Die andere Seite stellt nun Vertragsverhandlungen bis Ende Mai in Aussicht - was schon ein Fortschritt wäre. Denn offizielle Verhandlungen zwischen der KAV-Gruppe und der Uni hat es bisher noch gar nicht gegeben. (Renate Graber, DER STANDARD, 16.5.2014)

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