Ein Wolf schleicht um den Pool

15. Mai 2014, 17:55
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Opulent und chauvinistisch: "Von dem Fuchs" von FC Bergman

Wien - Märchen oder Fabeln wie jene seit dem 15. Jahrhundert überlieferte Geschichte von Reineke Fuchs waren die Thriller des Mittelalters. Die moralischen Verfehlungen der darin handelnden Figuren verströmen Angst und Schrecken. Die Nackenhaare stellen sich einem auch bei der Festwochen-Koproduktion Von dem Fuchs auf. Der Grausamkeit und des männlichen Chauvinismus wegen, die hier gleichermaßen zelebriert werden.

Das belgische Kollektiv FC Bergman hat die Parabel vom Siegeszug des Übeltäters Reineke Fuchs gegen den Wolf Isegrim in eine neureiche Familie von heute transferiert. Dabei geht der geschliffene Text von Josse De Pauw leider ein wenig unter.

Dem Isegrim-Vater (Dirk Roofthooft), einem Mann aus einer Vorstandsetage, der im Anzug um seinen Swimmingpool schleicht, hat der Fuchs übel mitgespielt. Er hat sich seine Frau gekrallt und den Sohn bis zur Erblindung angepisst. Jetzt heißt es Rache. Weniger für die Frau oder das Kind als für ihn, den beleidigten Mann.

Alle zur Fuchsjagd hinausgeschickten Burschen kehren dann (halb)tot zurück. Streicherklänge des Berliner Solistenensembles Kaleidoskop tauchen das opulente Bühnenbild im Odeon in Düsternis: Der Pool, in den irgendwann unerbittlich viele Herbstblätter herunterrieseln, markiert das kühle Heim. Jenseits einer Plexiglaswand erstreckt sich die Wildnis aus Bäumen und Gestrüpp. Ein Bild, das mit technischer Perfektion mehrmals in einen Film überblendet, der vom blutrünstigen Fuchsterror die schrecklichsten Ansichten gibt, einen Splatter-Kuss inbegriffen.

Inzwischen findet daheim der Familienvater Gefallen an einem Mädchen, das sich im benetzten Kleidchen am Boden räkelt und das er erniedrigt. In jedem Wolf steckt halt auch ein kleiner Fuchs. Als moralische Instanz Gentil tritt die große belgische Schauspielerin Viviane De Muynck in Erscheinung. Eine Zündschnur läuft über die Bühne, Pistolen werden ausgehändigt, Tote weggetragen. An Spannung mangelt es dem Abend nicht. Für das Differenzieren moralischer Werthaltungen fehlt es ihm aber in seiner Effekthascherei und dem paternalistischen Gehabe an Glaubwürdigkeit. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 16.5.2014)

Bis 17. 5.

  • Spannung und Effekthascherei: "Von dem Fuchs" als Gastspiel von FC Bergman im Odeon.
    foto: kurt van der elst

    Spannung und Effekthascherei: "Von dem Fuchs" als Gastspiel von FC Bergman im Odeon.

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