Rosetta-Zielkomet Tschurjumov-Gerasimenko wird aktiv

15. Mai 2014, 15:18
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Neue Aufnahmen der ESA-Raumsonde zeigen Staubwolke um 67P/Tschurjumov-Gerasimenko

Göttingen - Der Komet 67P/Tschurjumov-Gerasimenko, Ziel der ESA-Mission Rosetta, hat begonnen eine Staubkoma auszubilden. Neue Aufnahmen von Ende April zeigen eine Staubwolke um den Himmelskörper, wie das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen mitteilte. Diese "Staubhülle" reiche rund 1.300 Kilometer ins All hinaus. 

"Wir sehen im Moment das Aufwachen des Kometen", sagte der MPS-Wissenschafter Holger Sierks. Der von Wissenschaftern "Tschuri" genannte Komet ist derzeit noch mehr als 600 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt. Der Abstand des europäischen Kometenjägers Rosetta zu dem Schweifstern betrug Ende vergangenen Monats noch rund zwei Millionen Kilometer. Die neuen Bilder des Kometen wurden von Osiris, dem Kamerasystem der Rosetta-Sonde zwischen Ende März und Anfang Mai aufgenommen.

Koma-Beobachtung

Nähern sich Kometen der Sonne, verdampfen leichtflüchtige Gase von ihrer Oberfläche und reißen Fontänen aus winzigen Staubteilchen mit sich. Gase und Staub bleiben aber durch die Schwerkraft zum Teil an den Kometenkern gebunden und speisen die Koma, die Atmosphäre des Kometen.

Dass Tschuri schon früh aktiv geworden ist, bietet den Forschern nun die Gelegenheit, Staubentwicklung und Strukturen innerhalb der Koma bereits in einer frühen Phase der Rosetta-Mission zu untersuchen. "Es ist schwer zu glauben, dass Rosetta schon in wenigen Monaten in diese Staubwolke eintauchen und sich dem Ursprung der Kometenaktivität nähern wird", erklärte Holger Sierks, Leiter des Osiris-Teams.

Zusammentreffen im August

Rosetta ist eine der ehrgeizigsten Missionen in der Geschichte der europäischen Weltraumagentur ESA. Sie soll Aufschlüsse über die Zusammensetzung von Kometen liefern, die als Überbleibsel bei der Entstehung des Sonnensystems von 4,6 Milliarden Jahren gelten. Rosetta soll den Kometen im August erreichen, in eine Umlaufbahn um den Kometen einschwenken und im November das Landegerät Philae auf dem Vier-Kilometer-Brocken aus Eis, gefrorenem Gas und Staub absetzen.

In den darauf folgenden Monaten wird sich der Komet stetig weiter der Sonne nähern, um im August 2015 seinen sonnennächsten Punkt zu erreichen. Dabei wird die Aktivität auf dem Kometen durch die Sonnenwärme beträchtlich zunehmen. Was genau auf dem Kometen passiert, sollen die Messgeräte von Rosetta und Philae aufzeichnen.

Mit Hilfe der neuen Bilder des Zielkometen konnten die Forscher bereits jetzt berechnen, dass Tschurjumov-Gerasimenko 12,4 Stunden für eine Rotation um seine eigene Achse benötigt - 20 Minuten weniger als bisher angenommen. "Die genaue Kenntnis der Rotationsperiode des Kometen ist von äußerster Wichtigkeit", betonte der Kometenexperte und Osiris-Forscher Stefano Mottola vom Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Dies gelte sowohl für die optimale Planung von Mission und wissenschaftlichen Aufnahmen als auch für die Interpretation der gewonnenen Daten. (APA/red, derStandard.at, 15.5.2014)

  • Zwischen 27. März und 4. Mai 2014 näherte sich Rosetta dem Kometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko von einer Entfernung von etwa fünf Millionen auf zwei Millionen Kilometer. Die Bildfolge (auf "vergrößern" klicken) zeigt die Bewegung des Kometen gegen den Sternenhintergrund während dieser Zeit.
    foto: esa/rosetta/mps/osiris

    Zwischen 27. März und 4. Mai 2014 näherte sich Rosetta dem Kometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko von einer Entfernung von etwa fünf Millionen auf zwei Millionen Kilometer. Die Bildfolge (auf "vergrößern" klicken) zeigt die Bewegung des Kometen gegen den Sternenhintergrund während dieser Zeit.

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