Infektionen nach Operationen sind ausgesprochen gefährlich

15. Mai 2014, 12:38
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Internationale Studien zeigen, dass postoperative Infektionen Morbidität und Aufenthaltsdauer im Spital um ein Mehrfaches Erhöhen können

Postoperative Infektionen ("surgical site infections", SSI) stellen in Europa ein beträchtliches Problem und Risiko bei einem Krankenhausaufenthalt dar. Darauf verweist die Initiative "Sicherheit im OP"  anlässlich des in Barcelona zu Ende gegangenen Europäischen Infektionskongresses ECCMID 2014.

Hohes Risiko

So haben Patienten mit Krebs im Kopf- und Halsbereich, bei denen winzige Gefäße betreffende (mikrovaskuläre) Rekonstruktionen vorgenommen werden, ein hohes Risiko einer operationsbezogenen Wundinfektion. Der Einsatz von Alkohol, längere Operationsdauer und fehlende Prophylaxe gegen sogenannte gramnegative Keime (Einteilung von Keimen nach einer Färbemethode) nach der Operation waren jeweils mit der Entwicklung einer SSI assoziiert.

Zu diesem Ergebnis kam ein Forscherteam vom Henry Ford Hospital in Detroit (USA). Von den 127 Studienteilnehmern entwickelten innerhalb von 30 Tagen nach der Operation 42 (33 Prozent) eine SSI, am häufigsten waren grampositive und gramnegative Bakterien sowie Candida-Pilz-Erkrankungen. 40 Patienten (32 Prozent) entwickelten eine so genannte non-SSI, zum Beispiel Infektionen der unteren Atemwege oder des Harntraktes oder eine Sepsis.

Länger im Spital

Eine in Barcelona vorgestellte Studie aus der Türkei untersuchte 106 operationsbezogene Wundinfektionen, die bei 2.882 Patienten nach einer Operation im Bereich des Brustkorbes diagnostiziert wurden. Die Mortalität betrug bei Patienten mit einer SSI neun Prozent, bei Patienten ohne SSI ein Prozent.

Die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus war bei Patienten mit einer solchen Infektion mit 33,1 Tagen wesentlich länger als bei Patienten ohne eine derartige Komplikation (12,4 Tage). "SSI können bei Patienten nach einer Thorax-Operation substanzielle Sterblichkeit und Morbidität verursachen", so die Schlussfolgerung der Studienautoren 

Eine Untersuchung von 253 Frauen in Ländern mit mittlerem Bruttosozialprodukt, die gynäkologische Eingriffe im Beckenbereich durchführen ließen, zeigte, dass nach abdominaler Entfernung der Gebärmutter 16 Prozent und nach Operationen der Eierstöcke drei Prozent eine SSI hatten. Die durchschnittliche Spitalaufenthaltsdauer war bei Frauen mit einer SSI 5,5mal höher - 22 Tage gegenüber vier Tagen bei Frauen ohne diese Komplikation.

"Alles andere als selten"

Forscher aus Israel präsentierten auf dem ECCMID neue Studienergebnisse, wonach "SSI alles andere als eine seltene Komplikation sind. Eine von fünf Frauen, die sich bestimmten Unterleibsoperationen unterzogen haben, sei davon betroffen.

Eine weitere Untersuchung aus Irland kam zu dem Ergebnis, dass elf Prozent von 1.115 untersuchten Frauen nach einem Kaiserschnitt eine SSI aufwiesen. Von diesen wurden bei nur 16 Prozent die SSI während des Spitalaufenthalts diagnostiziert, bei 84 Prozent erst nach der Entlassung. In vielen Fällen könnten diese Komplikationen durch bessere Hygienevorkehrungen verhindert werden. (APA, derStandard.at, 15.5.2014)

  •  Postoperative Infektionen stellen ein großes Problem dar.

     Postoperative Infektionen stellen ein großes Problem dar.

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