Afrikanische Sumpfschildkröte ist viel artenreicher als gedacht

15. Mai 2014, 12:17
4 Postings

Hinter Pelomedusa subrufa verbergen sich mindestens zehn Spezies, eine davon ist akut vom Aussterben bedroht

Dresden - Wissenschafter des Senckenberg-Forschungsinstitutes in Dresden haben herausgefunden, dass sich hinter der Sumpfschildkröte Pelomedusa subrufa in Wirklichkeit mindestens zehn verschiedene Arten verbergen. Bisher ging man von einer einzigen in fast ganz Afrika, Madagaskar und der Arabischen Halbinsel verbreiteten Art aus. Die neue Einteilung hat nun auch eine Veränderung der Gefährdungseinschätzung zur Folge: Mindestens eine der neu beschriebenen Arten ist vom Aussterben bedroht. Das berichten die Forscher aktuell im Fachjournal "Zootaxa".

Pelomedusa subrufa fühlt sich in kleinen, stehenden Gewässern wohl, kann aber – indem sie sich vergräbt – auch Trockenphasen jahrelang überdauern. Die maximal 30 Zentimeter langen Panzerträger sind weitverbreitet: Man findet sie von Südafrika bis in die Sahelzone, in Madagaskar und auf der Arabischen Halbinsel. Diese große Verbreitung und ihre Fähigkeit, Trockenheit lange zu überstehen, ließen Wissenschafter bisher annehmen, der Fortbestand der bisher als eine Spezies klassifizierten Schildkröten sei ungefährdet.

Kleine Verbreitungsgebiete

"Unsere Forschungen zeigen aber, dass die bisherigen Auffassungen grundfalsch sind", sagt Uwe Fritz, Direktor des Senckenberg-Institutes. Gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam hat er die Schildkröten mit morphologischen Methoden und molekulargenetischer Technik untersucht. Das Ergebnis: Es handelt sich bei der Pelomedusa subrufa um mindestens 10 unterschiedliche Spezies, möglicherweise sogar noch mehr.

Insgesamt haben die Dresdner Wissenschaftler rund 350 Schildkröten untersucht und die Genome von etwa 200 davon entschlüsselt. Zudem wurden auch Proben von teilweise über hundert Jahre alten Exemplaren aus verschiedenen naturkundlichen Museen analysiert.

"Bisher galt die Pelomedusen-Schildkröte als extrem weit verbreitet und deswegen ungefährdet, da man dachte, dass in ganz Afrika dieselbe Art vorkommt. Unsere Untersuchung zeigt, dass es viele Arten gibt und die Verbreitungsgebiete der einzelnen Arten sehr viel kleiner sind", so Fritz. Einige der Arten seien wohl wesentlich gefährdeter, als bisher gedacht. Eine der neu beschriebenen Schildkröten ist aufgrund der Wasserknappheit in ihrer Heimat, der südwestlichen Arabischen Halbinsel, wahrscheinlich sogar akut vom Aussterben bedroht. (red, derStandard.at, 15.5.2014)

  • Eine der neu entdeckten Arten, Pelomedusa neumanni, lebt nur in Kenia und Tansania.
    foto: h. prokop

    Eine der neu entdeckten Arten, Pelomedusa neumanni, lebt nur in Kenia und Tansania.

Share if you care.