Verbesserungspotenzial bei "Therapie statt Strafe" für Suchtkranke

15. Mai 2014, 11:21
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Wird die psychiatrische Grunderkrankung nicht behandelt, könne auch die Suchterkrankung nicht stabilisiert werden, so Forscher der MedUni Wien

Eine Studie der MedUni Wien sieht in Österreich "große Verbesserungspotenziale" im Umgang mit straffällig gewordenen Suchtkranken. Seit Jahren gibt es die Möglichkeit, Suchtkranken statt einer Gefängnisstrafe eine therapeutische Behandlung ("Therapie statt Strafe") zu verordnen. Das System sei günstiger für den Staat, müsse aber noch optimiert werden, heißt es von der MedUni.

Psychiatrische Grunderkrankungen

Das Angebot werde von Richtern gerne wahrgenommen, berichtete die Forschungsgruppe. Beobachtet wurden medizinische, psychologische und juristische Daten von Opiatabhängigen, die in Zusammenhang mit drogenbezogenen Delikten zu Gefängnisstrafen verurteilt oder unter Therapie statt Strafe gestellt wurden.

Die Ergebnisse bestätigen, dass österreichische Gerichte jenen Suchtkranken mit leichteren Delikten (Besitz von Suchtmitteln allein und/oder Handel) die Möglichkeit einer gesundheitsbezogenen Maßnahme einräumen und jene mit schweren Vergehen (Eigentums- oder Gewaltdelikte in Kombination mit Drogenbesitz/handel) zu Gefängnisstrafen verurteilen.

"Besorgniserregend ist das Ergebnis, dass Suchtkranke in der gesundheitsbezogenen Maßnahme bereits zu über achtzig Prozent strafrechtliche Vorverurteilungen aufweisen und neben der Opiatabhängigkeit an schweren psychiatrischen Grunderkrankungen leiden, die offensichtlich nicht entsprechend erkannt werden", sagte Studienleiterin Gabriele Fischer. Dabei handelt es sich um Depressionen (63 Prozent), Angststörungen (58 Prozent) oder Suizidgedanken (46 Prozent).

Rückfällig werden

Wird die psychiatrische Grunderkrankung nicht behandelt, kann auch die Suchterkrankung nicht stabilisiert werden, warnten die Forscher. Das führe dazu, dass Suchtkranke nicht aus dem Kreis der Drogenkriminalität ausbrechen können, sondern rückfällig werden und dann in Folge wegen schwerer Delikte ins Gefängnis kommen.

Richter stützen ihre Entscheidungen über Therapie oder Gefängnis häufig auf Fachgutachten zur Beurteilung der Schwere der psychiatrischen Suchterkrankung. Eine Qualitätssicherung sowohl in den Gutachten, die die technische Entscheidungshilfe für Richter liefern, als auch in der Durchführung der gesundheitsbezogenen Maßnahmen scheint aus Sicht von Fischer dringend notwendig, um Betroffenen professionell und frühzeitig, nämlich bereits beim Erstkontakt mit dem Justizsystem, helfen zu können.

Diese Optimierung würde sich laut MedUni auch finanziell auszahlen. Für Österreich betragen die Kosten für ambulante medizinische Behandlung der Opioidabhängigkeit rund 4.000 Euro pro Patient und Jahr, während ein suchtkranker Häftling die Justizanstalten im Jahr 34.500 Euro kostet (ohne Berücksichtigung der Kosten für das Rechtssystem wie Richter, Anwälte oder Exekutive). Fischer empfahl daher eine Intensivierung des Dialoges zwischen Justiz und Fachexperten, denn die Zahl der Inhaftierungen dieser Gruppe nahm im letzten Jahrzehnt deutlich zu. (red, derStandard.at, 15.5.2014)

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