Überwachung: Microsoft soll NSA geholfen haben

15. Mai 2014, 11:05
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Unternehmen hat laut internen NSA-Notizen bei Unterwanderung von Outlook.com, Skype und SkyDrive kooperiert

Als die im vergangenen Juli die ersten Berichte über ein umfassendes Spionageprogramm der NSA unter dem Namen Prism aufgetaucht sind, reagierten die großen US-Softwarehersteller allesamt rasch mit Dementis. Entgegen dem, was in den Dokumenten nahegelegt werde, gebe es keinerlei enge Kooperation zwischen dem Geheimdienst und den Unternehmen, betonte damals auch Microsoft.

Zweifel

Der gesamte Austausch mit dem Geheimdienst erfolge lediglich auf Basis von - mehr oder weniger - gezielten richterlichen Anordnungen. Ein Generalzugriff oder eine Mithilfe beim Unterwandern der Produktsicherheit gebe es hingegen nicht. Ein Standpunkt, den Microsoft bis heute verteidigt, der jetzt aber durch neue Dokumente, die der Journalist Glenn Greenwald rund um die Veröffentlichung seines Buches  "Die globale Überwachung" veröffentlicht hat, in Zweifel gezogen wird.

Chats

So soll Microsoft den US-Geheimdiensten laut eines internen Memos von Ende 2012 bei der Unterwanderung des Chats auf Outlook.com geholfen haben. In Zusammenarbeit mit dem FBI habe das Unternehmen eine Lösung entwickelt, die die erst im Juli desselben Jahres aktiviert SSL-Verschlüsselung des Services umschifft und den Geheimdiensten wieder vollen Zugriff sichert, heißt es in der Notiz.

Skype

Aus den Dokumenten geht ebenfalls hervor, wie weitreichender der Zugriff der NSA auf Skype-Verbindungen ist. In einem Memo vom April 2013 wird stolz verkündet, dass man jetzt nicht nur die Kommunikation in Echtzeit überwachen sondern auch eine Fülle von mit Skype verbundenen Datensätzen gezielt abfangen könne. Konkret spricht der Geheimdienst dabei etwa von Freundeslisten oder auch Kreditkarteninformationen. Die Überwachung von Skype wird in dem Zusammenhang ganz allgemein als "unerlässlich" für die Aktivitäten der NSA und den Erfolg des PRISM-Programms bezeichnet.

SkyDrive

Ebenfalls Anfang 2013 wurde die umfassende Überwachung von Microsofts Cloud-Speicher SkyDrive (mittlerweile: OneDrive) in das Prism-Programm aufgenommen. Auch in diesem Zusammenhang wird eine diesem Schritt vorangegangene,  "monatelange Zusammenarbeit" mit Microsoft erwähnt. Auch in diesem Beispiel soll wieder das FBI die Kommunikation mit dem Softwarehersteller übernommen haben. (apo, derStandard.at, 15.5.2014)

Links

Bericht von Techcrunch

Webseite von Glenn Greenwald (dort gibt es auch die betreffenden Dokumente zum Download)

  • Zumindest in der Ära von Steve Ballmer soll Microsoft aktiv mit US-Geheimdiensten zusammengearbeitet haben.
    foto: elaine thompson / ap

    Zumindest in der Ära von Steve Ballmer soll Microsoft aktiv mit US-Geheimdiensten zusammengearbeitet haben.

  • Eines der internen Memos der NSA, die von einer aktiven Beteiligung Microsofts sprechen.
    grafik: glenn greenwald

    Eines der internen Memos der NSA, die von einer aktiven Beteiligung Microsofts sprechen.

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