Ein deutscher Kindergarten

14. Mai 2014, 19:05
44 Postings

Herr Löw setzte beim 0:0 gegen Polen auf die Jugend

Hamburg - Zieler, Rüdiger, Mustafi, Ginter, Sorg, Rudy, Kramer, Goretzka, Meyer, Draxler, Volland. Das sind nicht x-beliebige Namen, sondern diese Herren bildeten die Startelf der deutschen Fußballnationalmannschaft im Test gegen Polen. Der wurde am Dienstagabend in Hamburg abgewickelt, endete torlos. Auf der Trainerbank saß aber schon Joachim Löw. Eingewechselt wurden von ihm zum Beispiel die Herren Günter, Hahn, Arnold und Jung.

Über den Sinn der Veranstaltung wurde in Deutschland nicht gestritten, aber schon diskutiert. Es war so, als würde ÖFB-Teamchef Marcel Koller sein Personal ausschließlich von Admira, Wiener Neustadt, Innsbruck und Hartberg rekrutieren (zulässige Übertreibung). Koller wird übrigens am Donnerstag seinen Kader für die Partien gegen Island (30. Mai in Innsbruck) und Tschechien (3. Juni in Olmütz) nominieren. Der Schweizer ist humorlos, er wird die Besten um sich scharen.

Löw verzichtete auf die meisten Legionäre und auf alle Stars von Bayern und Dortmund, die am Samstag in Berlin gegeneinander um den Pokal kicken. Löw kann nun von sich behaupten, das jüngste Nationalteam in der 106-jährigen deutschen Fußballgeschichte aufgeboten zu haben. Das Durchschnittsalter des Kindergartens betrug 21,45 Jahre, die beiden Schalker Max Meyer (18) und Leon Goretzka (19) waren von diesem Schnitt weit entfernt.

Löw stellte einen weiteren Rekord auf. Insgesamt feierten gleich zwölf Spieler ihre Premiere im A-Team, die WM in Brasilen werden praktisch alle im Fernsehen verfolgen. Knapp 38.000 Zuschauer sind ins Hamburger Stadion gekommen. Sie waren auf das Ungewöhnliche vorbereitet, es stand ja in den Zeitungen.

Der Bundestrainer war mit der Darbietung zufrieden. "Mir hat es Spaß gemacht. Wir hatten wahnsinnig viele Neulinge, die haben ihre Sache gut gemacht. Wir waren gut organisiert, haben ordentlich nach vorne gespielt. Auch ohne Tore war das unterhaltsam. Pfiffe habe ich nicht gehört." (red - DER STANDARD, 15.5. 2014)

  • Der 19-jährige Leon Goretzka (links) im durchaus mannhaften Zweikampf mit dem Polen Slawomir Peszko. Der deutsche Nachwuchs hat immerhin nicht verloren.
    foto: apa/epa/brandt

    Der 19-jährige Leon Goretzka (links) im durchaus mannhaften Zweikampf mit dem Polen Slawomir Peszko. Der deutsche Nachwuchs hat immerhin nicht verloren.

Share if you care.