"Wir sind Teil der Geschichte"

14. Mai 2014, 18:33
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Mit dem Vielfaltenarchiv wurde in Hohenems Österreichs erste Dokumentationsstelle der Migrationsgeschichte eingerichtet

Noch sind die Räumlichkeiten des Vielfaltenarchivs karg möbliert. "Wir ziehen gerade erst ein", sagt Fatih Özcelik. Seit drei Jahren engagieren sich Özcelik und weitere Nachkommen von Arbeitsmigranten für die Einrichtung eines Migrationsarchivs. "Wir sind Teil der Vorarlberger Geschichte", sagt Özcelik, "deshalb soll unsere Geschichte auch dokumentiert werden."

Ziel ist ein digitales Archiv mit Fotos, Dokumenten, Filmen und Videos über das Leben der Arbeitsmigranten seit Beginn der 1960er-Jahre. Die Objekte der Sammlung soll das Vorarlberg Museum erhalten. Wissenschaftlich begleitet wird das Archiv von Dirk Rupnow, Leiter des Instituts für Zeitgeschichte an der Uni Innsbruck, und Werner Matt, Leiter des Stadtarchivs Dornbirn.

Das Vielfaltenarchiv ist als Verein organisiert, noch wird ehrenamtlich gearbeitet. Ab 2015 soll dann das Geld für eine Teilzeitstelle gesichert sein, hofft Vereinsobmann Fatih Özcelik. Projekte des Archivs werden bereits durch das Land Vorarlberg und die Stadt Hohenems finanziert. Özcelik ist optimistisch, dass aus Projektförderungen Subventionen werden. Und hofft auf Beteiligung der Gemeinden, "manche sind da offen, andere leider nicht". Wenig Resonanz finden Anfragen auf Mitfinanzierung bei den Vorarlberger Firmen. Özcelik: "Der Zusammenhang zwischen der regionalen Wirtschaft und unserer Arbeit wird leider noch nicht gesehen. Da bedarf es noch intensiver Aufklärungsarbeit."

Wie Blättern im Familienalbum

Aufklärung und Information sind für die Vielfalter keine trockene Materie. Sie bedienen sich der Medien Fotografie und Film. Bei Ausstellungen der Bodensee Amatör Fotoğrafçılar (BAF), eines vor drei Jahren gegründeten Vereins von Vorarlbergern unterschiedlicher Herkunft, sind nicht nur Fotowerke der Gegenwart zu sehen. Man blättert quasi im Familienalbum von "Gastarbeiterfamilien", wird über die Fotos an Arbeitsbedingungen und oft haarsträubende Wohnsituationen erinnert. (Jutta Berger, daStandard.at, 14.5.2014)

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