Bayern machten sich über Hypo-Kapital lustig

14. Mai 2014, 18:01
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Gutacher bezweifelt Informantenrolle von Exbankchefs - Verträge wurden ungelesen unterschrieben

Wien - Die Vorzugsaktien der Hypo Alpe Adria spielen im Streit BayernLB gegen Mitarbeiterprivatstiftung Maps (die Bayern fechten ihren Hypo-Kauf wegen Täuschung an) eine zentrale Rolle. Dementsprechend viel Platz nehmen sie auch im Gerichtsgutachten von Werner Festa ein.

Im Kapitel "Arglistige Täuschung der Klägerin durch die Beklagte" beschäftigt er sich mit der Frage, was die Maps-Vorstandsmitglieder (darunter Wolfgang Kulterer und Tilo Berlin) von den Rücknahmegarantien wussten und ob sie die Bayern davon informierten. Die Vorzugsaktien wurden als Eigenkapital ausgewiesen. Strafrechtlich wurden in der Sache beide verurteilt; Berlin hat gegen sein Urteil (zwei Jahre und zwei Monate) berufen. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Tiefen und Untiefen

Der Gutachter nimmt resümierend an, dass beide bescheid wussten. Kulterer aber könnte "die Befürchtung vor strafrechtlicher Verfolgung ... davon abgehalten haben", die Bayern über die Nebenvereinbarungen zu informieren. Berlin scheide als Informant der Bayern überhaupt aus.

Abseits dessen erhellen sich aus der Expertise einmal mehr die Tiefen und Untiefen der Hypo-Bayern-Beziehung. Berlin etwa (er war in die Kaufverhandlungen engstens eingebunden) wird mit seiner Zeugenaussage zu den Gesprächen übers notorisch knappe Kapital der Hypo erwähnt.

Die Bayern hätten damals vorgehabt, den "ungewöhnlich hohen" Anteil an Hybridkapital "so zügig wie möglich" durch hartes Kernkapital zu ersetzen. Sie hätten in der Hypo "Hybrid-Kapital-Formen vorgefunden, die ihnen so nicht bekannt waren. Sie haben sich sogar unter Fachleuten darüber lustig gemacht", so Berlin.

Knackpunkt Kapital

Wie intensiv sich die deutschen Banker mit der Kapital-Frage auseinandersetzten, ist allerdings umstritten. Kulterer etwa sagte aus, die Bayernbanker Michael Kemmer und Gerhard Gribkowsky hätten die Eigenkapital-Problematik schon bei seinem ersten Gespräch mit ihnen, Anfang 2007, "intensiv nachgefragt"; Bayern-Chef Werner Schmidt habe aber gemeint: "Wenn wir die Bank kaufen, kommt es aufs Eigenkapital nicht an."

Durchaus unorthodox auch die Verhältnisse in der Mitarbeiterprivatstiftung der Bank, Maps. Dort war zum Zeitpunkt des ersten Verkaufs Kulterer Vorstandschef, später Berlin. Vorstandsmitglieder waren zudem Bernd Kreutzer und Werner Müller.

Darum gebeten

Wie die MAPS ihre Hypo-Anteile an die Bayern verkauft hat? Schnell. Müller schilderte das so: Der Stiftungsvorstand sei am 16. Mai 2007 vom Interesse der Bayern informiert worden, "der Verkaufsbeschluss wurde (in dieser Sitzung; Anm.) einstimmig gefasst". Vertreter der Käuferin habe er beim Unterschreiben des Vertrags, vier Tage später, erstmals gesehen.

Auch beim Unterschreiben war man damals schnell. Hypo-Alpe-Adria-Betriebsratsmitglied Müller: "Ich habe den Vertrag ... nicht komplett durchgelesen. Es war ein sehr dickes Konvolut." Warum er den Kaufvertrag unterschrieben und paraphiert habe? Müller erklärte es so: "Weil ich darum gebeten wurde." (Renate Graber, DER STANDARD, 15.5.2014)

  • Im Mai 2007 hatten Wolfgang Kulterer (li.) und Tilo Berlin noch Grund zur Freude. Heute wollen die Bayern ihren damaligen Hypo-Kauf rückgängig machen.
    foto: epa/eggenberger

    Im Mai 2007 hatten Wolfgang Kulterer (li.) und Tilo Berlin noch Grund zur Freude. Heute wollen die Bayern ihren damaligen Hypo-Kauf rückgängig machen.

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