Kraftwerksschließung: Wahnsinn mit Methode

Kommentar14. Mai 2014, 17:29
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Ein Kraftwerk mit hohem Wirkungsgrad und geringen Emissionen steht still, während daneben Kraftwerke mit schmutziger Kohle laufen und die Luft verpesten

Was viele Deutsche mit Irsching verbinden, können wir jetzt bei Mellach denken: Wahnsinn. Sowohl im bayerischen Irsching als auch im steirischen Mellach wurden hunderte Millionen in die Errichtung modernster Gaskraftwerke gesteckt, bezahlt von den Konsumenten mit der Monatsrechnung. Der deutsche Stromriese Eon, dem Irsching gehört, und der Verbund, der Mellach betreibt, würden viel geben, das ungeschehen zu machen.

Die Stromwelt ist inzwischen eine gänzlich andere. Dank Windenergie- und Solaranlagen, Wirtschaftskrise und Energiesparen gibt es mehr Strom, als den Produzenten lieb sein kann. Die Folge ist ein Preisverfall, dessen Ende noch nicht in Sicht ist. Erzeuger wie Verbund und Eon, die langfristige Gaslieferverträge zur Befeuerung ihrer Kraftwerke abgeschlossen haben, zahlen sich dumm und deppert.

Deshalb ist der Beschluss des Verbund-Vorstands, Mellach bis auf weiteres einzumotten, mehr als verständlich. Andererseits ist es ein Wahnsinn, der durchaus Methode zu haben scheint: Ein Kraftwerk mit hohem Wirkungsgrad und geringen Emissionen steht still, während daneben Kraftwerke mit schmutziger Kohle laufen und die Luft verpesten. Nicht die Ökoenergie ist schuld an der Misere, es ist das Fördermodell, das in eine neue Form gebracht werden muss. Dann hört sich hoffentlich auch der Irrsinn auf, dass die Konsumenten über die Ökoumlage umso mehr zahlen müssen, je tiefer der Strompreis im Großhandel fällt. (Günther Strobl, DER STANDARD, 15.5.2014)

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