Die zweite Chance des Aufstiegsroutiniers

14. Mai 2014, 17:03
38 Postings

Gerald Baumgartner erreichte im Cup zum zweiten Mal hintereinander mit einem Außenseiter das Finale - das erklärt seinen Status als stets interessante Personalreserve

Wien - "Auch wenn er jung ausschaut neben mir, ist er eine väterliche Figur", sagt Gerald Baumgartner über Roger Schmidt, den scheidenden Erfolgstrainer von Meister Red Bull Salzburg. Dabei lächelt der sonst ein wenig verbissen wirkende Coach des Erstligisten SKN St. Pölten, der am Sonntag im Klagenfurter Endspiel des ÖFB-Cups den Meister fordert - als krasser Außenseiter.

Baumgartner, 49 Jahre alt und aus Oberndorf in Salzburg, hat anlässlich der Finalpräsentation für Bewerbssponsor Samsung in Wien weitere Komplimente für den um zwei Jahre jüngeren Kollegen aus dem Sauerland auf Lager. Vor allem für dessen Wirken in den vergangenen beiden Jahren. Denn Salzburg habe durch seine internationalen Auftritte "Österreich mit Stolz erfüllt". Dass Schmidt in Richtung Baumgartner mit "ein hervorragender Trainer, der seine Mannschaft auf den Punkt genau einzustellen weiß" kontert, erfreut diesen sichtlich. Vor ziemlich genau einem Jahr erntete Baumgartner zuletzt derart ausdrückliche öffentliche Anerkennung. Damals schlug der von ihm betreute Regionalligist Pasching im Cup nacheinander Rapid, Schmidts Salzburger und im Endspiel auch noch den frischgebackenen Meister Austria. Die Oberösterreicher qualifizierten sich als erster österreichischer Drittligist für Europa, ja als Cupsieger gar gleich für das Playoff zur Gruppenphase der Europa League, in dem Portugals Vertreter Estoril doch zu stark war (Gesamtscore 1:4).

Frust statt Lust

Der dem Cupsieg folgende Jubel hatte dem Ausmaß des Erfolges regelrecht gespottet. Schon nach dem finalen Schlusspfiff im Happel-Stadion war wenig Euphorie, nachdem der frustrierte Austria-Anhang nach dem 0:1 abgezogen war. Große Siegesfeier in Pasching? Fehlanzeige. Schwer wog dann das Scheitern im Ringen um die Relegation zum Aufstieg in die Erste Liga. Den schaffte nur Trainer Baumgartner, weil St. Pölten im September des Vorjahres nach der Entlassung von Martin Scherb Handlungsbedarf hatten. Baumgartner soll da auch deshalb zum Zug gekommen sein, weil die Wunschkandidaten Peter Schöttel und Manfred Schmid nicht zu haben gewesen seien.

Baumgartner unterschrieb für zwei Jahre plus Verlängerungsoption für den Verein und dürfte das mittlerweile ein wenig bereuen. Denn das Ziel des ehemaligen Offensivspielers der Salzburger und der Wiener Austria sowie des SV Ried ist die längerfristige Rückkehr in die Beletage des österreichischen Fußballs und nicht ein kurzfristiges Gastspiel, wenn er es im Cup wieder einmal allen gezeigt hat. Als Trainer ist er in diesem Bewerb ungeschlagen - seit 14 Spielen. Wer eine Mannschaft auf einzelne Auftritte derart perfekt hintrimmen kann, müsste eigentlich begehrt sein.

Und tatsächlich wollte der SV Grödig, nachdem Adi Hütter seinen Dienst beim Aufsteiger quittiert hatte, Baumgartner unbedingt haben. Allein, St. Pöltens Obmann Gottfried Tröstl hatte ihn nicht umsonst längerfristig gebunden, wollte Geld sehen, und zwar deutlich mehr als die 35.000 Euro, die die Grödiger gerüchteweise geboten haben sollen. Fast eine Beleidigung wäre das, sollte es stimmen und also Ausdruck des Sparzwangs sein, dem Grödig unterworfen ist.

Allerdings könnte Baumgartner in diesem Fall auch einmal Glück gehabt haben, taucht sein Name doch in den Spekulationen um den neuen Trainer für die Austria auf. Die Wiener wären sicher imstande, die 200.000 Euro zu zahlen, die Tröstl vorschweben sollen. Allerdings ist St. Pölten durch den Einzug ins Cupfinale und das folgende Europacup-Geschäft nicht mehr ganz so klamm. Baumgartner und St. Pölten, das ist noch nicht völlig ausgereizt. (Sigi Lützow, DER STANDARD, 15.5.2014)

  • Coach Gerald Baumgartner will zurück ins Oberhaus des Fußballs.
    foto: apa/punz

    Coach Gerald Baumgartner will zurück ins Oberhaus des Fußballs.

Share if you care.