Auf Einkaufstour mit NSA und Co

2. Juni 2014, 09:39
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Ab Dienstag findet in Prag die ISS World Europe statt, eine Messe privater Geheimdienst-Zulieferer

Sie tragen klingende Namen wie Trovicor,  Verint oder ClearTrail und verdienen hunderte Millionen: Private Unternehmen, die als Zulieferer für Geheimdienste und Strafverfolgungsbehörden arbeiten. Anfang Juni trifft sich die Creme de la Creme der "Cyber Security Companies" auf der ISS World in Prag, um ihre neuesten Abhör-, Malware- und Analysetools vorzustellen.

Milliardengeschäft

Der Abhörmarkt hat sich vor allem seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 zu einem Milliardengeschäft entwickelt, an dem eine bunte Melange aus Unternehmen mitnaschen will: Ehemalige Unterabteilungen von Siemens finden sich dort genauso wie Firmen früherer Geheimdienstmitarbeiter oder geläuterter Cyberkrimineller.

Grundkurs "Soziale Netzwerke überwachen"

Viele von ihnen treffen sich von 3. bis 5. Juni in Prag, um sich neben dem Netzwerken und Bewerben ihrer Lösungen auch weiterzubilden: Sieben verschiedene Kurzlehrgänge finden statt, darunter etwa ein Grundkurs für Abhören oder das "Monitoring sozialer Netzwerke".

So wird darüber fachgesimpelt, wie Verschlüsselung am besten zu knacken sei oder wie man "Terroristen am besten im Internet finde". Andere Seminare beschäftigen sich mit dem "Datamining von Audioaufnahmen" oder "Krieg auf sozialen Medien".

Alles legal

Wirkt zwielichtig, ist aber erlaubt: Das Zauberwort heißt dabei "Lawful Interception", grob mit gesetzestreuem Abfangen übersetzt. Denn das Anbieten von Trojanern oder abhörfähigen USB-Sticks ist ein legales Geschäft, solange die Käufer solche Lösungen auch legal einsetzen dürfen.

Wie offen die Firmen dabei ihre Produkte anpreisen, hat Wikileaks mit der Veröffentlichung der sogenannten "Spy Files" ausführlich dokumentiert: Dort finden sich Broschüren, interne Präsentationen oder Preislisten.

Hosni Mubarak war Kunde

Die deutsche Bundesregierung sorgte beispielsweise mit dem Erwerb des sogenannten "Bundestrojaners" für Aufregung Ein weiterer Skandal: In den Räumlichkeiten des ehemaligen ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak wurde ein sogenannter FinFisher-Server entdeckt, der unter anderem soziale Netzwerke überwachen und private Nachrichten mitlesen kann. Auch Bahrain oder Saudi-Arabien stehen auf der Käuferliste vieler Cybersecurity-Firmen, weswegen Datenschützer wie Privacy International ein Exportverbot für solche Produkte in autoritäre Regime einforden.

Nur auf Einladung

An der Prager ISS Konferenz können Interessierte übrigens nur teilnehmen, wenn eine Einladung seitens der Betreiber vorliegt. Zusätzlich müssen pro Ticket 1.300 Dollar bezahlt werden. Mitarbeiter von Telekom-Providern, privaten Sicherheitsfirmen und Regierungsbehörden sind automatisch eingeladen. (fsc, derStandard.at, 2.6.2014)

  • Auf der ISS World stellen private Firmen die neuesten Tools für NSA und Co vor
    foto: dpa/tirl

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    foto: screenshot

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