Schmerz hat eine fahle Farbe

14. Mai 2014, 17:11
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Unter dem Titel "White Absence" präsentiert die Galerie Martin Janda Arbeiten von Mladen Stilinovic, die während des Kroatienkrieges (1991 bis 1995) entstanden sind

Wien - "Schmerz ist für mich das Gegenteil von Macht. Die Macht produziert Schmerz, er ist die Konsequenz von Macht", erklärte Mladen Stilinovic in Bezug auf seine Arbeit Dictionary-Pain, die er 2003 auf der Biennale in Venedig im slowenischen Pavillon präsentierte. Die Installation bestand aus insgesamt 523 gerahmten Seiten eines englischen Wörterbuchs, in dem er alle Definitionen fein säuberlich "weißte" und durch das Wort "pain" ersetzte.

Davon ausgehend, dass Sprache oder genauer: das Benennen und Definieren von Dingen ein wichtiges Instrumentarium ideologischer Machtapparate ist, hat die Befragung von Wörtern und Zeichen im Werk des 1947 geborenen Künstlers immer eine wichtige Rolle gespielt.

In Mladen Stilinovics aktueller Präsentation White Absence in der Galerie Martin Janda taucht das Wort "bol" (Kroatisch für Schmerz) ebenfalls auf. Versammelt wurden Werke aus der Zeit des Kroatienkrieges, währenddessen sich der Künstler mit der Farbe des Schmerzes, aber auch mit dem Ausdruck von Absurdität, Leere und Machtlosigkeit auseinandersetzte: Because pain precedes everything else steht etwa mit Bleistift auf einem weiß angemalten Karton, und das Wort "bol" findet man auch auf einer Metallschale. Sie ist zur Hälfte mit weißer Farbe bemalt und nur einer in einer ganzen Reihe von Gebrauchsgegenständen, die der Künstler verwendet hat.

Zu den in einer experimentellen Anordnung (nach dem Satz der Verse in einem Buch des symbolistischen Dichters Stéphane Mallarmé) gehängten Objekten gehören außerdem zwei Krawatten, ein Stück Seife, Suppenlöffel, ein Holzbrett oder eine Schöpfkelle, die er mit Zuckerwürfeln aufgefüllt hat. Während man Letztere doch noch mit Augenblicken der Freude verbindet, steht in einem Notizbuch School of death, auf einer Schale das Wort Nema (There isn't anything) und auf ein Tablett hat er den Satz Name giving has an end gesetzt.

Die Farbe Weiß, die in ihren Abstufungen dafür sorgt, dass die meisten Objekte etwa auch an Bandagen erinnern, ist für den Künstler Ausdruck von Abwesenheit - und zwar nicht nur von Freude oder Vernunft: Stilinovic hat etwa auch eine Brille und einen Wecker mit Weiß überzogen und damit seine Erfahrung verdeutlicht, dass der Krieg Perspektiven und jedes Gefühl für Zeit auslöscht. (Christa Benzer, DER STANDARD, 15.5.2014)

Bis 31. 5., Galerie Martin Janda

Eschenbachgasse 11, 1010 Wien

  • In der Ausstellung "White Absence" hat Mladen Stilinovic die Arbeiten nach dem Satz von Versen in einem Buch Mallarmés installiert. 
    foto: galerie janda

    In der Ausstellung "White Absence" hat Mladen Stilinovic die Arbeiten nach dem Satz von Versen in einem Buch Mallarmés installiert. 

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