Älteste Spermien der Welt sind so lang wie das Tier selbst

14. Mai 2014, 13:31
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Internationales Forscherteam analysierte 17 Millionen Jahre alte Ostrakoden-Fossilien

Sydney - In Australien haben Forscher die ihrer Aussage nach ältesten erhalten gebliebenen Spermien der Welt entdeckt. Sie stammen von Muschelkrebsen oder Ostrakoden und sind an die 17 Millionen Jahre alt. "Die Entdeckung fossiler Spermien mit erhaltenem Zellkern kam völlig unerwartet", sagte der Biologe Mike Archer von der Universität in New South Wales.

Nach Angaben der Wissenschafter, die ihre Entdeckung in der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society B" veröffentlichten, sind die innerhalb der Geschlechtsorgane eingerollten Spermien etwa 1,3 Millimeter lang und damit ein bisschen länger als das ganze Tier. Für Ostrakoden ist das allerdings nichts Ungewöhnliches - bei manchen Arten der winzigen Krebse sind die Spermien in ausgerolltem Zustand sechs- bis zehnmal länger als das Tier selbst.

Reichhaltige Fundstätte

Gemeinsam mit Kollegen hatte Archer bereits 1988 die Krebsfossilien in der Ausgrabungsstätte Riversleigh im australischen Bundesstaat Queensland entdeckt, wo man bereits Fossilien von Schnabeltieren mit Zähnen und fleischfressenden Kängurus fand. Die Ostrakoden-Fossilien wurden an Spezialisten in Melbourne geschickt, in weiterer Folge wurden nun auch deutsche und französische Wissenschafter an den Untersuchungen beteiligt. Mikroskopische Studien zeigten, dass in den Fossilien die Geschlechtsorgane der Krebse konserviert waren, und in ihnen die nahezu perfekt erhaltenen Spermien samt Zellkern, in dem sich einst die Chromosomen und die DNA des Tieres befanden.

Dass weiches Gewebe derart gut erhalten geblieben ist, dürfte an den Besonderheiten der Fundstätte liegen. Vor 17 Millionen Jahren lebten die Ostrakoden hier in einem Teich im Inneren einer Regenwaldhöhle. Diese war von tausenden Fledermäusen besiedelt, deren Kot den Teich düngte. Laut Archers Kollegin Suzanne Hand dürfte der ständige Kot-Regen auch für die Fossilierung eine zentrale Rolle gespielt haben. Er führte zu einem erhöhten Phosphor-Gehalt im Wasser und förderte so die Mineralisation weichen Gewebes. (red/APA, derStandard.at, 14. 5. 2014)

  • Das australische Riversleigh-Ökosystem vor 17 Millionen Jahren: Fledermäuse spielten hier eine zentrale Rolle - auch für den außergewöhnlichen Erhaltungszustand der dort gefundenen Fossilien.
    illustration: dorothy dunphy

    Das australische Riversleigh-Ökosystem vor 17 Millionen Jahren: Fledermäuse spielten hier eine zentrale Rolle - auch für den außergewöhnlichen Erhaltungszustand der dort gefundenen Fossilien.

  • Nanotomografische Rekonstruktion der Krebsart Heterocypris collaris: Die seilähnlichen Strukturen sind Teile der verhältnismäßig riesigen Spermien.
    foto: renate matzke-karasz

    Nanotomografische Rekonstruktion der Krebsart Heterocypris collaris: Die seilähnlichen Strukturen sind Teile der verhältnismäßig riesigen Spermien.

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