Prozess um brutal inszeniertes Tribunal in Linz gestartet

14. Mai 2014, 11:22
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Opfer laut Anklage über Stunden gefangen gehalten und gefoltert - Staatsanwältin: "Wie aus einem schlechten Film" - Beschuldigte zum Teil geständig

Linz - Fünf junge Männer und zwei Frauen müssen sich seit Mittwochvormittag wegen eines brutalen, von ihnen Anfang 2010 inszenierten Tribunals vor dem Landesgericht Linz verantworten. Weil er die Freundin eines anderen belästigt haben soll, wurde ein Bursch gezwungen, sich auszuziehen. Er kassierte Tritte und Schläge, ihm wurde eine Pistole an den Kopf gesetzt. Nur durch Zufall flog die Sache auf.

"Alles scheint wie aus einem schlechten Film", sagte die Staatsanwältin zu Beginn des Prozesses. In einer gespielten Gerichtsverhandlung sei das Opfer über Stunden gefangen gehalten und gefoltert worden. Die einen hätten den heute 23-Jährigen traktiert, die anderen dem Geschehen vergnügt beigewohnt, es anerkennend kommentiert und die mutmaßlichen Angreifer angefeuert. Die Attacke endete mit Prellungen, einer Gehirnerschütterung und Hämatomen. Anschließend soll dem Burschen angedroht worden sein, dass ihm noch Schlimmeres passiere, falls er die Polizei einschaltet. Eine Teilnehmerin filmte die mehrstündige Prozedur mit ihrem Handy. Bei einer Hausdurchsuchung bei einem Unbeteiligten fand die Polizei die Aufnahmen.

"Dunkle Phase seines Lebens"

Einer der Beschuldigten im Alter von 20 bis 25 Jahren, die teilweise Kinder und sehr hohe Schulden haben, war "wegen Krankheit" zunächst nicht vor Gericht erschienen. Die übrigen sechs Angeklagten - es drohen bis zu zehn Jahre Haft - zeigten sich zum Teil geständig, andere bekannten sich nicht schuldig. Ein Verteidiger bezeichnete seinen Mandanten selbst als Opfer der Gruppe, ein anderer soll "nur zufälligerweise" in der Wohnung gewesen sein. Es sei sehr viel Alkohol konsumiert worden, starke Erinnerungslücken seien die Folge gewesen, so ein weiterer Anwalt. Ein Beschuldigter, der sich derzeit wegen eines anderen Delikts in Haft befindet, will damals "eine dunkle Phase seines Lebens" durchgemacht haben.

"Wir waren alle betrunken", erinnerte sich eine Angeklagte, die sich mehrmals in Widersprüche verwickelte, an den Abend des 2. Februar 2010. Die Situation sei eskaliert und ihrem damaligen, ebenfalls beschuldigten Lebensgefährten schließlich "komplett die Kette gerissen". Nach der Attacke gegen den 23-Jährigen soll er auch einen Burschen aus der Gruppe gemeinsam mit einem Unbekannten misshandelt und gedemütigt haben. Das Opfer habe sich nackt ausziehen und den Penis in einen Staubsauger stecken müssen, den ihr früherer Freund anschließend eingeschaltet habe. "Er wollte der Anführer sein", sagte die junge Frau. Wenn ihr Ex zu viel getrunken hat, schlage er gern zu. (APA, 14.5.2014)

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