Kulturkämpfe

13. Mai 2014, 19:08
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Manchmal könnte einen die Angst anwehen, dass Samuel Huntington doch recht hatte

Manchmal könnte einen die Angst anwehen, dass Samuel Huntington mit seinem Clash of Civilizations doch recht hatte: Er sah nicht nur die islamische, sondern auch die orthodoxe Welt im Kulturkampf - und mehr - mit dem Westen. Ironisch, dass uns ausgerechnet die östlichen Publikumsvotings für Conchita Wurst im Song Contest eine Lektion erteilen. Wie krass sie von jenen der - die offiziellen Kulturpolitiken vertretenden - Jurys abweichen, zeigt, dass die alte Kritik an Huntington stimmt: Der Kulturkampf findet nicht zwischen, sondern innerhalb von Gesellschaften statt. Auch in unserer.

Sinn für Humor und Subversivität zeigen auch junge Menschen in Ägypten, die soeben die Wahl eines von seinen Adoranten zur Nasser-Wiedergeburt hochstilisierten Generals im Anzug über sich ergehen lassen müssen. Facebook und Twitter werden zum Spielplatz, ob es nun darum geht, Kevin Spacey (der in House of Cards US-Präsident wird) für die ägyptischen Präsidentenwahlen zu kandidieren oder von erfundenen Accounts unter dem Namen der beiden Kandidaten zu zwitschern.

Den Followern des (falschen) Sabbahi verkündet der (falsche) Sisi, dass er sie alle einsperren wird, wenn er einmal Präsident ist. Der (falsche) Sabbahi verspricht hingegen seinen Twitterfreunden, dass er Sisi zum Leutnant degradiert, sollte er gewinnen. Das wird er nicht. Bei ihm würde auch kein Bart mit Abendkleid helfen. (guha, DER STANDARD, 14.5.2014)

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