Der Club der vernetzten Verkehrsforscher

15. Mai 2014, 16:48
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Sollen logistische Prozesse gelingen, muss ein Rädchen ins andere greifen. Auch die Erforschung der Logistik ist idealerweise Teamwork

Von A nach B in möglichst kurzer Zeit: Darum geht es bei der Logistik. Doch das Feld ist ein weites und entsprechend komplex. Längst beschäftigt sich die Wissenschaft mit den unterschiedlichen Aspekten von Logistik, etwa der neugegründete Verein Logistics Research Austria (LRA), der wissenschaftliche Bemühungen und Forschungsarbeiten im Bereich der Logistik in Österreich bündeln will. "Unser Ziel ist es, im Hinblick auf Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten Kooperationen zwischen unseren Vereinsmitgliedern zu ermöglichen", sagt Tina Wakolbinger. Sie ist stellvertretende Leiterin des Instituts für Logistik und Transportwirtschaft an der WU Wien und sitzt im Vorstand des Vereins.

"Wir konzentrieren uns vor allem auf die Bereiche Logistik, Supply-Chain-Management, Mobilität und Verkehr." Einige Themenfelder in diesen Bereichen seien in der Wissenschaft sehr stark abgebildet, andere weniger. Wakolbinger: "Die Koordination ermöglicht es, eine größere Themenvielfalt anzubieten."

Die Idee zur Vereinsgründung geht auf ihren Vorstandskollegen Friedrich Starkl vom Logistikum Steyr zurück. 2011 fand erstmals eine Versammlung verschiedener Forschungseinrichtungen statt, die im Bereich der Logistik arbeiten. Wakolbinger: "Wir haben uns gefragt: Welche Möglichkeiten zur Kooperation gibt es? Welche inhaltlichen Überschneidungen bestehen? Wo kann man sich in Bezug auf Projekte abstimmen, und wie kann man Redundanzen vermeiden?"

Kombiniertes Wissen

Diese Fragen wurden über die Jahre in weiteren Treffen vertieft. Seit Dezember 2013 ist das Netzwerk ein eingetragener Verein mit inzwischen 17 Mitgliedern, die an Universitäten, Fachhochschulen und Forschungsinstituten tätig sind: Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist ohnehin ein Leitgedanke, wie Wakolbinger erklärt: "Das Wissen in den einzelnen Bereichen wird immer stärker vertieft. Heutzutage braucht es aber oft Lösungen, die Wissen aus verschiedenen Bereichen kombinieren. Unser Verein bietet die Möglichkeit, Erkenntnisse zu sammeln und Institutionen zu vernetzen."

Man erhofft sich im Verbund auch, Forschungsgelder effektiver einzuwerben: Durch den Zusammenschluss mehrerer Initiativen sollen Geldgeber besser angesprochen werden. Laut der Vereinsführung sind die Fördermittel für Logistikthemen ohnehin äußerst knapp. Aufmerksamkeit sei also ein zentrales Anliegen des Vereins, sagt Wakolbinger: "Wir wollen die Bedeutung der Logistik stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung rücken. Es geht uns auch darum, eine größere internationale Sichtbarkeit für unsere Forschungsinitiativen zu schaffen."

So beschränken sich die Mitglieder der Organisation nicht auf Österreich: Auch ausländische Partner - vor allem aus Süddeutschland - sollen eingebunden werden. Mit der FH Würzburg-Schweinfurt ist mittlerweile eine deutsche Institution vertreten.

Ganze Bandbreite

Die einzelnen Mitarbeiter der zusammengeschlossenen Projekte beschäftigen sich mit der ganzen Bandbreite der Logistik: derzeit etwa mit der kooperativen Nutzung von Anschlussbahnen, mit Leerwagendistribution, der Optimierung modaler Güterverkehrsknoten und der humanitären Logistik, die vor allem im Katastrophenschutz eine Rolle spielt. Derzeit ist die Verkehrstelematik ein Schwerpunkt. Eines der Projekte aus diesem Bereich trägt den schönen Namen Cloudia: Die FH Hagenberg und das Logistikum entwickeln ein cloudbasiertes Analyseprogramm zur Erfassung von Verkehrsdaten. An der FH wurde die Software entwickelt, die die Kollegen in Steyr in der Anwendung erproben.

An dieser Schnittstelle von Theorie und Praxis in der Logistikforschung sieht Wakolbinger noch Arbeitsbedarf. Um die Zusammenarbeit zu verbessern, sind neue Partner stets willkommen. Schließlich ist dieser Club keine geschlossene Gesellschaft: "Der Verein ist darauf ausgelegt, weiterzuwachsen. Sehr gerne werden in Zukunft neue Mitglieder aufgenommen." (Johannes Lau, DER STANDARD, 15.5.2014)

  • Um logistische Prozesse in ihrer Komplexität zu planen, abzuwickeln und zu erforschen, ist viel Abstimmung nötig.
    foto: reuters/christian charisius

    Um logistische Prozesse in ihrer Komplexität zu planen, abzuwickeln und zu erforschen, ist viel Abstimmung nötig.

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