Mit Straßensperren gegen Nigerias Terroristen

13. Mai 2014, 18:19
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Nigerias Regierung bemüht sich ohne Erfolg, den Terror von Boko Haram zu bekämpfen - Hoffnung auf Hilfe aus dem Ausland

Die Sorge um die Chibok-Mädchen hält Nigeria weiter in Atem. Bei der Suche nach ihnen sollen nun Spezialisten aus verschiedenen Ländern helfen. Vorn dabei sind die USA, die mit Aufklärungsflugzeugen nach den entführten Schülerinnen fahnden.

Boko Haram hat es - auch durch das am Montag veröffentlichte zweite Video - geschafft, den Druck auf die nigerianische Regierung und Präsident Goodluck Jonathan zu verstärken. Und dieser muss sich eingestehen: Ohne internationale Hilfe geht es nicht.

Ausnahmezustand brachte wenig

Dabei wollte er doch alles schon vor einem Jahr selbst geregelt haben, als er über die drei Nordbundesstaaten Borno, Yobe und Adamawa den Ausnahmezustand verhängte, verstärkt Soldaten in die betroffenen Regionen schickte und ankündigte, Boko Haram gehöre bald der Vergangenheit an.

Der Ausnahmezustand ist und bleibt aus Regierungssicht die große Offensive im Kampf gegen Boko Haram. Seitdem gelten größere Städte wie etwa Maiduguri und Damaturu zwar wieder als sicherer, doch die Gewalt hat sich aufs Land verlagert, wo die Islamisten regelmäßig blutige Massaker anrichten.

Wenn man Murtala Nyako danach fragt, kneift er wütend die Augen zusammen und will nicht aufhören zu reden. Er ist Gouverneur von Adamawa und scharfer Kritiker. Der Ausnahmezustand, so sagt er, habe in Adamawa nur Probleme gebracht: "Fragt die Menschen hier. Es ist so viel schwieriger geworden, Business zu machen."

Ausgangssperren

Durch die Ausgangssperren wurden die Handelszeiten eingeschränkt, nicht aber die Jagd nach den Terroristen verbessert. Sichtbar geworden ist sie vielerorts nur durch den Aufbau von Straßensperren. Bei der Bevölkerung sorgt das für Ärger, aber nicht für das Gefühl, in Sicherheit zu leben, im Gegenteil: Die langen Autoschlangen könnten wiederum zu einem beliebten Anschlagziel werden.

Präsident Jonathan wirkt angeschlagener denn je und macht nicht den Eindruck, die Terrorismusbekämpfung im Griff zu haben. Zu den entführten Schulmädchen äußerte er sich lange Zeit gar nicht. Die Entwicklung ist kein guter Zeitpunkt für ihn, denn nun beginnt der Wahlkampf.

Noch sind es elf Monate, und Jonathan hat eine erneute Kandidatur noch nicht offiziell bekanntgegeben, doch alles deutet darauf hin. Dabei bröckelt der Zuspruch in seiner eigenen Partei, der People's Democratic Party (PDP), seit Monaten. Mitglieder sind reihenweise ausgetreten und haben sich dem All Progressive Congress (APC) angeschlossen.

Auch Opposition ohnmächtig

Den neuen Zusammenschluss formten im vergangenen Herbst verschiedene Oppositionsparteien. Ob dieser nun von der schlechten Performance bei der Terrorismusbekämpfung profitieren kann und zum starken Gegengewicht wird, ist im Moment nur Spekulation. "Gerade wirkt das gar nicht so", sagt Seija Sturies, Leiterin der Friedrich-Ebert-Stiftung in Nigeria. "Auch die Opposition scheint relativ zerrissen zu sein."

Ob diese eine bessere Strategie im Umgang mit islamistischen Terroranschlägen hat, ist fraglich. Muhammadu Buhari, Oppositionsführer und ehemaliger Militärherrscher (1983-1985), sprach sich Anfang der Woche für Investitionen im Bildungsbereich aus. Seiner Meinung nach könnten Unsicherheit und sozialer Unmut nur so bekämpft werden.

Die Forderung ist nicht neu. Der Nordosten Nigerias gilt von jeher als verarmt und vergessen. Dabei ist das afrikanische Riesenland mit seinen 170 Millionen Einwohnern Ölexporteur und seit wenigen Wochen auch Afrikas größte Wirtschaftsmacht.

Zynischerweise hatte auch Boko Haram diese Ungleichverteilung immer wieder an den Pranger gestellt. "Schlechte und korrupte Muslime", die den Norden regieren würden, waren den Anhängern von Gründer Mohammed Yusuf ein Dorn im Auge, hieß es, als die Gruppe noch öffentlich auftrat. (Katrin Gänsler aus Abuja, DER STANDARD, 14.5.2014)

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    illu: fatih aydogdu
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