Salzburg stößt auf Gold und verliert 85 Millionen

13. Mai 2014, 22:18
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Der Finanzskandal lässt Salzburg nicht los. Der bei der Aufarbeitung gefundene Goldschatz stellt sich für das Land als 85-Millionen-Euro-Verlust heraus

Wien - Bei der Aufarbeitung des im Dezember 2012 publik gewordenen Finanzskandals des Landes Salzburg stößt das Land noch immer auf verlustreiche Geschäfte. Nun tauchten drei Gold-Optionsgeschäfte aus dem Jahr 2007 auf, bei denen das Land rund 85 Millionen Euro verloren hat. Dass der Goldfund die letzte Episode in der Aufarbeitung der Spekulationen ist, glaubt Finanzreferent und Landeshauptmann-Stellvertreter Christian Stöckl (ÖVP) zwar nicht. "Jetzt findet man aber nicht mehr jeden Tag etwas Neues", zeigt er sich im STANDARD-Gespräch optimistisch.

Die Details: Das Land Salzburg hatte 2007 mit doppeltem Risiko eine langfristige Wette auf den Goldkurs abgeschlossen. Eingegangen ist das Land dieses Geschäft mit einer Investmentbank in südafrikanischer Währung. Nach Ablauf der Frist im Jahr 2012 war der Goldpreis deutlich höher als vor fünf Jahren, die Bank zog die Kaufoption. Fazit: Millionenverluste für das Land.

Ungeeignete Veranlagung

Der Stand der Aufarbeitung ist im aktuellen Finanzbericht, der dem STANDARD vorliegt, zusammengefasst. Diesen präsentiert Stöckl heute, Mittwoch, dem Landtagsausschuss. Die Verluste seien teilweise nur schwer zu eruieren, heißt es im Bericht, weil gut laufende Geschäfte mit weniger guten gegengerechnet wurden und nur Salden ausgewiesen sind.

Das Goldgeschäft ist laut Stöckl für die Finanzgebarung eines Landes "absolut nicht geeignet". Daher will er auch die involvierte Investmentbank zur Rechenschaft ziehen. Rund 30 internationale Investmentbanken sollen in die Geschäfte des Landes involviert sein. Allein bei drei Banken soll das Land rund 290 Millionen Euro an Verlusten eingefahren haben. "Bei so großen Deals muss die Investmentbank prüfen, ob der Kunde das Geschäft überhaupt abschließen darf", erklärt Stöckl den Ansatz der rechtlichen Möglichkeiten.

Die bisherigen Antworten der Investmentbanken seien aber "unzureichend" gewesen, berichten die Salzburger Nachrichten. Daher würden nun rechtliche Schritte überlegt. "Es kann nicht sein, dass Salzburg auf dem Risiko und den Verlusten alleine sitzen bleibt", sagt Stöckl. Die Geschäfte unterliegen zum Großteil deutschem Recht, "vor allem die gesicherten höchstgerichtlichen Urteile in Deutschland kommen uns hier entgegen", sagt Stöckl.

97 Prozent der risikobehafteten Deals wurden laut dem Finanzbericht bereits abgebaut. Die verbleibenden Wertpapiere weisen einen Barwert von rund 70 Millionen Euro aus. Per 31. März 2014 hatte das Land Salzburg Finanzschulden von nominell 2,2 Milliarden Euro.

In Summe sei jetzt nur noch ein kleiner Teil der Geschäfte noch nicht geklärt. "Dieser ist aber umso schwieriger", sagt Stöckl. So wartet etwa noch ein Swap-Geschäft in kasachischer Währung auf seine Aufarbeitung. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 14.5.2014)

  • Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Das Optionengeschäft mit dem Edelmetall war für Salzburg zwar eine süße Verführung, hat jetzt aber einen bitteren Nachgeschmack.
    foto: ap/kraft foods austria

    Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Das Optionengeschäft mit dem Edelmetall war für Salzburg zwar eine süße Verführung, hat jetzt aber einen bitteren Nachgeschmack.

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