Stermanns Entpiefkenisierung als Radikalkomödie

13. Mai 2014, 17:47
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"6 Österreicher unter den ersten 5" von Dirk Stermann im Wiener Rabenhof Theater

In ihrem Stück F. Zawrel - Erbbiologisch und sozial minderwertig, 2012 ausgezeichnet mit einem Nestroy, erzählten Regisseur Simon Meusburger und Puppenmacher Nikolaus Habjan die erschütternde Geschichte des Spiegelgrund-Opfers Friedrich Zawrel. Nun dramatisierten die beiden im Rabenhof "6 Österreicher unter den ersten 5" von Dirk Stermann. Sie verdichteten den autobiografisch gefärbten "Roman einer Entpiefkenisierung" auf 90 Minuten und ein Dutzend Szenen, die das Wesen des grantelnden Wieners offenbaren.

Die Stadt, die der aus Duisburg gebürtige Entertainer und Moderator porträtiert, ist längst versunken: Stermann kam 1987, also vor dem Fall der Mauer, als Numerus-clausus-Flüchtling nach Wien. Im Rabenhof spricht er ein paar Sätze aus dem Off; verkörpert wird er hingegen von Aaron Friesz mit österreichischem Idiom. Alle anderen Figuren sind lebensgroße Handpuppen: Habjan gestaltete unglaublich böse Karikaturen. Nur wenn er, Friesz und Manuela Linshalm mit ihnen spielen, erwachen sie zum Leben; die restliche Zeit über hängen sie - schön makaber - wie Leichen auf Ständern. Heike Mirbach hat für das turbulente Treiben ein sehr praktikables Bühnenbild geschaffen: eine kleine, sechseckige Drehbühne, die an ein Karussell erinnert.

Stermann macht seine ersten Erfahrungen mit den Wiener Typen, darunter einem grünlichen Beamten-E.T. und einem furzenden Taxler. Es gibt in dieser Radikalkomödie verdammt viel zu lachen - aufgrund schamloser Übertreibungen. Kyrre Kvam begleitet dazu grandios in Disco-Manier am Synthesizer. Dass Stermann zum Schluss zur Puppe mutiert, ist unausweichlich. (trenk, DER STANDARD, 14.5.2014)

Termine: 15. und 16. 5., 18., 19. und 20. 6., 20.00

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