Schubhäftling fixiert und zwangsbehandelt: Prozess gegen Republik

13. Mai 2014, 17:42
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Thromboseopfer klagte Kärntner Spital

Klagenfurt - Am Mittwoch geht am Landesgericht Klagenfurt ein brisanter Zivilprozess in die nächste Runde. Beklagte Parteien sind die Republik und die Kärntner Krankenanstaltenbetriebsgesellschaft (Kabeg). Kläger ist ein abgewiesener Asylwerber.

Es geht um Schadenersatz, der damalige Schubhäftling soll im März 2010 in der Psychiatrischen Abteilung des Klinikum Klagenfurt wegen eines Hungerstreiks zwangsbehandelt und so stark fixiert worden sein, dass er - wie der STANDARD berichtete - eine massive Becken- und Beinvenenthrombose erlitten haben soll. An den Folgen leidet er noch heute. Er muss lebenslang Blutverdünner nehmen und hat chronische Schmerzen.

Gutachter: "Fixierung unnötig"

In einem dem STANDARD vorliegenden Gutachten werden schwere Vorwürfe gegen die behandelnden Ärzte des Klinikums erhoben. Demnach sei ein stundenlanges Festschnallen über Nacht an Händen, Beinen und Bauch nicht nötig gewesen, da der Patient bereits nach einer halben Stunde der ersten Fixierung "freiwillig getrunken und gegessen habe". Dennoch sei er weitere zwölf Stunden fixiert worden - wegen "Sturzgefahr". Ein Steckgitter wäre ausreichend gewesen, schreibt der Gutachter.

Zudem seien schon vor der Fixierung Laborwerte vorgelegen, die nach dem zwölftägigen Hungerstreik eine schwere "Austrocknung und Eindickung des Blutes dokumentiert" hätten. Die Verabreichung von Infusionsflüssigkeit "habe das Problem der Zwangshaltung durch die Fixierung nicht kompensieren können". Vonseiten des Klinikums wurde unter anderem argumentiert, dass der Schubhäftling an einer angeborenen Venenanomalie gelitten habe, die eine Thrombose begünstigt hätte. Die Fixierung sei nach standardisierten Vorschriften durchgeführt worden und ausreichend locker gewesen.

Dagegen meint der Gutachter zum Zeitpunkt der Thrombose, diese sei "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" schon während der Fixierung vom 16. auf 17. März eingetreten. Behandelt wurde der Schubhäftling trotz massiver, immer wieder artikulierter Beschwerden mit dem Blutverdünner Lovenox erst am 24. März. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, 14.5.2014)

  • Ein Asylwerber wurde in einem Kärtner Spital zwangsbehandelt und erlitt dadurch gesundheitliche Schäden,
    foto: der standard/heribert corn

    Ein Asylwerber wurde in einem Kärtner Spital zwangsbehandelt und erlitt dadurch gesundheitliche Schäden,

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