Serbiens Premier Vučić: "Bin als Freund nach Bosnien gekommen"

13. Mai 2014, 19:36
117 Postings

Serbiens Premier absolvierte seinen ersten Auslandsbesuch symbolträchtig in Sarajevo

Die serbische Flagge wurde noch schnell zurechtgezupft, damit man das Wappen besser sehen konnte. Der Raum, wo die Pressekonferenz stattfand, war übervoll. Trotzdem war es sehr still, als Aleksandar Vučić zu sprechen begann. Die bosnischen Journalisten lauschten gebannt den sehr leisen Worten des serbischen Premiers, der am Dienstag ein wichtiges Symbol setzte, indem er seine erste Auslandsreise in die bosnische Hauptstadt Sarajevo unternahm.

Vučić meinte, dass "es nicht die große Liebe zwischen Bosnien-Herzegowina und Serbien" geben müsse, "aber wir müssen uns wertschätzen". Er betonte mehrmals, dass er als "Freund" gekommen sei. Der Besuch in Sarajevo gilt als wichtig, weil Politiker aus Serbien in der Vergangenheit vor allem Wert darauf legten, den mehrheitlich von Serben bewohnten bosnischen Landesteil, die Republika Srpska (RS), zu besuchen und die Anliegen der bosnischen Serben zu unterstützen. Nachdem Vucic im Vorjahr die Beziehungen zum Kosovo grundsätzlich verbesserte, betont er nun die Nachbarschaft mit Bosnien-Herzegowina.

"Ich bin ein rationaler Mensch", sagte Vučić in Anwesenheit des bosnischen Premiers Vjekoslav Bevanda und sagte immer wieder, dass die wirtschaftliche Entwicklung Priorität habe und wechselseitige Investitionen und Tourismus gefördert werden sollten. Er sei gekommen, um die Handelshemmnisse aufzulösen, und versprach, sich bei seinen Freunden in den Arabischen Emiraten für Investitionen in Bosnien-Herzegowina einzusetzen.

Gemeinsame Sitzung

Vučić, der in den 1990ern ein radikaler Nationalist war, sprach nun von den Anliegen der "Bürger". Die Bürger von Bosnien-Herzegowina und Serbien müssten die Möglichkeit haben, ein normales Leben zu führen. Erwogen wird nun sogar eine gemeinsame Sitzung des bosnischen und des serbischen Ministerrats. Es gehe ihm darum, Vertrauen und bessere Beziehungen aufzubauen, sagte der Premier, dessen Botschaft bedeutsam ist, weil das Verhältnis zwischen Bosnien-Herzegowina und Serbien seit dem Krieg (1992-1995) labil ist. In Sarajevo sorgt man sich, Serbien könne indirekt den serbischen Separatismus in der RS unterstützen. Vučić wirkt dem entgegen.

Er betonte, dass Serbien die Integrität von Bosnien-Herzegowina voll unterstütze. Nichts könne Bosnien-Herzegowina und die RS zerstören, so der Premier, der auch eine Moschee und eine Kirche in Sarajevo besuchte. (Adelheid Wölfl aus Sarajevo, DER STANDARD, 14.5.2014)

  • Aleksandar Vucic inspiziert bei seinem Sarajewo-Bescuh die Ehrengarde
    foto: ap photo/amel emric

    Aleksandar Vucic inspiziert bei seinem Sarajewo-Bescuh die Ehrengarde

Share if you care.