ÖVAG-Vizepräsident mobilisiert gegen Vorstand

13. Mai 2014, 20:36
26 Postings

Chef der Volksbank Krems-Zwettl warnt vor Fusionsstrategie des Sektors

Der Umbau im Volksbankensektor unter Federführung seines Spitzeninstituts ÖVAG sorgt immer wieder für dicke Luft. Zuletzt haben die Unstimmigkeiten, die von "kleinen" Volksbanken ausgehen, auch die Führungsgremien der ÖVAG erfasst. Anfang April, kurz vor Bekanntgabe der Bilanzzahlen 2013 und der weiteren Strategie durch den Vorstand unter Stephan Koren, hat sich der Vizechef des ÖVAG-Aufsichtsrats, Rainer Kuhnle, per Mail an die Vorstandsmitglieder und ein paar Aufsichtsratskollegen der Anfang 2012 teilverstaatlichten Bank gewandt.

In dem Schreiben hat Kuhnle (in seinem Brotberuf ist er Vorstandschef der Volksbank Krems-Zwettl AG) aus seinem Herzen keine Mördergrube gemacht. Er kritisierte darin die Strategie der ÖVAG-Banker und deren Vorgaben gegenüber den Primärbanken.

Die derzeit noch mehr als 47 Volksbanken auf der Primärstufe sollen ja so fusioniert werden, dass letztlich eine große Landesvolksbank je Bundesland übrigbleibt. Daneben sollen die Spezialinstitute Ärzte- und Apothekerbank, Immobank sowie Spardat erhalten bleiben. Dieses ambitionierte Vorhaben läuft unter der Bezeichnung "9 plus 3". Dem Vizepräsidenten, der als Volksbanker in Krems gerade vor der Fusion mit St. Pölten steht, erscheinen diese Vorgaben zu strikt. Er warnte den ÖVAG-Vorstand vor rechtlichen Folgen seiner Forderung nach Fusionen – und vor deren Veröffentlichung per Bilanzpressekonferenz. Die Mehrheit des Aufsichtsrats und dessen Präsident, Hansjörg Schelling, hätten sich aber klar hinter den ÖVAG-Vorstand gestellt, wie es in Aufsichtsratskreisen heißt. 

"Wir sind kein Konzern"

Kuhnle selbst erklärt sein Ansinnen heute so: Die ÖVAG könne den Volksbanken "nichts verordnen, sie muss deren Verantwortliche, also Vorstand, Aufsichtrat und Eigentümer, handeln lassen". Denn, so Kuhnle, "wir sind kein Konzern".

Genau das ist der heikle Punkt im Volksbankensektor, in dem es seit seiner Verbundwerdung gewaltig rumort. Auch nach der teilweisen Notverstaatlichung halten die "kleinen" Volksbanken  die ÖVAG-Mehrheit – sie wurden aber in das Korsett eines strengen Haftungsverbunds gequetscht. In dem hat die ÖVAG als "Zentralorganisation" das Sagen. Sie gibt den bisher an ihre Selbstständigkeit gewöhnten regionalen Volksbanken die Ziele vor, bestimmt also Ertrags- und Risikopolitik im Sektor.

Schon mit der Aufgabe ihrer Unabhängigkeit kommen viele Primärbanken nicht zurecht; der Genossenschaftsverband heize die Ablehnung an, wie es in der ÖVAG heißt. Der Chef des Verbands, Hans Hofinger, bestreitet das. "Wir bremsen nicht", sagt er, räumt aber ein, dass es bei der Implementierung des Verbundmodells "Reibereien" gegeben habe. Dass der ÖVAG-Vorstand nun auch noch massive Fusionen verlangt, geht einigen Volksbankern völlig gegen den Strich, sie sprechen von "Zwangsfusionen". Aufmüpfig sind vor allem ein paar Institute in Nieder- und Oberösterreich sowie im Süden. 

Nützen wird der Widerstand gegen Fusionswelle und Einsparungen wahrscheinlich nichts. Denn: Die ÖVAG braucht Eigenkapital; und das können die Volksbanken nicht in benötigtem Ausmaß liefern. Allein durch Basel III wird die Bank in den kommenden Jahren rund eine Milliarde Euro benötigen. Zudem hat sie noch staatliches PS-Kapital (300 Millionen Euro) in den Büchern – mehr als sie zurückzahlen kann. Und Finanzminister Michael Spindelegger hat sich festgelegt: Vom Staat werde nichts mehr kommen. (Renate Graber, DER STANDARD, 14.5.2014)

Share if you care.