Hitlers Geburtshaus: Ein sozialer Anstrich für das braune Haus

13. Mai 2014, 17:42
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Die Wende in der ewigen Debatte über die Nachnutzung des Geburtshauses von Adolf Hitler steht bevor. Nach einem runden Tisch mit der Besitzerin verspricht man im Innenministerium eine "rasche Lösung"

Linz - Was tut man als Stadt mit einem denkmalgeschützten Haus in bester Lage, in dem rein zufällig am 20. April 1889 Adolf Hitler das Licht der Welt erblickte? Seit vor fast zwei Jahren die Lebenshilfe aus dem Haus mit der Adresse Salzburger Vorstadt 15 auszog, ist das Problem in Braunau am Inn präsenter denn je und die Frage einer adäquaten Nachnutzung ein entsprechend heißes Kommunal-Eisen. Viele Ideen wurden geboren, viel darüber diskutiert - und vieles letztlich wieder verworfen.

Schwierige Verhandlungen

Doch jetzt scheint sich das Blatt zu wenden - und eine konkrete Lösung greifbar nahe. Am 7. Mai fand im Innenministerium ein Treffen mit Vertretern der Stadt und der Hauseigentümerin statt. Was einer kleinen Sensation gleichkommt, hatte sich die Eigentümerin in der Nachnutzungsdebatte bislang als durchaus schwieriger Gesprächspartner erwiesen. Änderungen an ihrem Haus, Hauptmieter ist seit frühen Kreisky-Zeiten das Innenministerium, Untermieter die Stadt Braunau, waren nicht gewünscht - keine Hinweistafel und auch keine baulichen Veränderungen, die etwa die Lebenshilfe als letzter Nutzer so dringend gebraucht hätte.

Im Sommer des Vorjahres meldeten dann die oberösterreichische Volkshilfe und die Volkshochschule (VHS) ihr Mietinteresse an und legten entsprechende Nutzungskonzepte vor. So plant etwa die Volkshilfe ein Integrationsbüro, Sprachkurse für Migranten und weitere Sozialbüros, die Zweigstelle der Volkshochschule in Braunau würde die Räumlichkeiten für Sprachkurse nutzen. Grundlage dafür, dass in das Gebäude mit der dunklen Geschichte (Hitler lebte drei Jahre lang in dem Haus) neue Mieter einziehen, wäre aber eine umfangreiche Sanierung des baufälligen Eckhauses. Hinzu kommen bauliche Adaptierung wie etwa eine Außentreppe und mehrere Fluchtwege.

Über diese Pläne wurde jetzt bei dem "Geburtshausgipfel" Anfang Mai in Wien diskutiert. Und man drückt jetzt offensichtlich auch vonseiten des Ministeriums aufs Tempo: Bis kommenden Freitag hat die Eigentümerin dem Vernehmen nach nun Zeit, eine schriftliche Stellungnahme zu den künftigen Nutzungsplänen einzureichen. Die Stimmung unter den Beteiligten ist aber bereits jetzt optimistisch. "Es waren sehr konstruktive Gespräche. Jetzt muss man mit höchster Sensibilität an die Detailplanung herangehen", erläutert ein Sitzungsteilnehmer, der anonym bleiben möchte, im STANDARD-Gespräch.

Vonseiten des Innenministeriums gibt man sich ebenfalls hörbar optimistisch. Es sei das Treffen mit der Besitzerin und den Vertretern der Stadt in einer "sehr positiven Atmosphäre" verlaufen. Die Hauseigentümerin habe "ihre Meinung geändert" und sei von ihren Verkaufsabsichten abgerückt: "Wir rechnen jetzt mit einer raschen Lösung."

Hoher Verkaufspreis

Die heute so ungeliebte Immobilie war nach dem "Anschluss" 1938 von der Familie der heutigen Besitzerin an die NSDAP verkauft worden - was den Eigentümern eine durchaus stattliche Summe einbrachte. Den Akten der NSDAP aus jener Zeit liegt der Vermerk eines SS-Brigadeführers bei, dass der Ankauf des Gebäudes an den Geldforderungen der Eigentümer gescheitert sei, man erwäge "die Übernahme des Geburtszimmers" durch "energische Maßnahmen". Hitlers Privatsekretär Martin Bormann kaufte aber schließlich im Auftrag der NSDAP das Haus um den vierfachen Verkehrswert und zahlte 150.000 Reichsmark.

1954 erfolgte dann der Rückkauf der Liegenschaft durch die Besitzerfamilie um 150.000 Schilling - einem Bruchteil des einstigen Verkaufspreises. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 14.5.2014)

  • 1938 kaufte Hitlers Privatsekretär Martin Bormann das Geburtshaus des "Führers" in Braunau, davon zeugen heute noch die schmiedeeisernen Initialen "MB" über dem Eingangstor.
    foto: apa/manfred fesl

    1938 kaufte Hitlers Privatsekretär Martin Bormann das Geburtshaus des "Führers" in Braunau, davon zeugen heute noch die schmiedeeisernen Initialen "MB" über dem Eingangstor.

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