Ewald Stadler: "Ich bin mehr für traditionelle Wurst"

13. Mai 2014, 18:16
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Ewald Stadler suchte am Kaiser-Josef-Markt in Graz Rekos-Wähler. Der rechtskonservative Katholik findet Conchita Wurst peinlich und hofft auf Enttäuschte aus dem Pool der FPÖ-Wähler

Graz - "Ich geb ihm noch ein akademisches Viertelstunderl, dann kann er mi gern haben!" Der ältere Herr mit dem an Kinderfaschingsfeste erinnernden Ritterschild aus Pappe ist genervt. Es ist fünf nach zwölf. Die Bauern auf dem Kaiser-Josef-Platz bauen ihre Stände schon ab. Es regnet. Ewald Stadler, Spitzenkandidat der nationalkonservativen Rekos für die EU-Wahl am 25. Mai, ist spät dran. Seine Wahlhelfer sind allesamt ältere Semester.

Er sei Rekos-Aktivist, weil ihm "Stadler der Nächste ist", sagt ein Pensionist. Der Nächste im christlichen Sinn? "Um Gottes willen, nein", stellt er klar, "da kommt schon noch vorher der Jesus!" Dann kommt Stadler - 25 Minuten zu spät. Eine Landwirtin lässt ihn widerwillig einen Folder auf ihren Tisch legen und packt ihr Gemüse ein, ohne aufzusehen.

Stadler begrüßt die nächste Standlerin mit einem frohen "Grüß Gott". "I brauch nix", fährt ihn die ältere Frau mit einem kleinen Messer in der Hand an. Nächste Station Käsestand. "Haben Sie Bregenzerwälder Käse?", sucht Stadler das Gespräch. "Na", ist die knappe Antwort. "Weil meine Frau ist Spezialistin für Bregenzerwälder Käse", probiert er es wieder. "I verkauf steirischen Käs", quittiert der Verkäufer. Letzter Versuch beim Fleischhauer: "Ich frag nicht, ob sie Conchita-Wurst haben", scherzt Stadler. "Hamma net, tät aber sicher gut gehen", sagt die Verkäuferin ungerührt. "Ich bin mehr für traditionelle Wurst", meint Stadler. "Wir net", kontert eine jüngere Verkäuferin.

"Der Anbetungsverein, in den nun auch die FPÖ einstimmt, ist peinlich", sagt Stadler später in einem Café. Der Songcontest sei "politisch vereinnahmt" und Thomas Neuwirth "ein junger Mann, der offensichtlich ein Identitätsproblem hat. Welches Geschlecht er hat, bestimmen Natur und der liebe Gott." Millionen EU-Bürger, die Fans sind, beeindrucken ihn nicht: "Alles medial gesteuert."

Warten auf Alaba

Am Nachmittag besucht er einen Antiabtreibungsverein "mit eigener Anbetungskapelle". Dann stellt der Rekos-Spitzenmann bei einem Pressetermin seinen Brief an "Gesinnungsfreunde" vor, die von der "Lifestyle-Partei FPÖ" und ihrer Distanzierung von Barbara Rosenkranz, Martin Graf und Andreas Mölzer irritiert sind. Aber er wolle Mölzer doch auch nicht mehr? "Eh nicht, aber er war ein Symbol für etwas." Für Rassismus? "Für das wertkonservative Lager", meint Stadler, "aber bei David Alaba hat er danebengegriffen". Man habe dem Fußballer die Rekos-Ehrenmitgliedschaft angeboten, weil er "der einzige Spitzensportler mit Jesus-Leiberl" sei, warte aber noch auf Antwort, versucht Stadler optimistisch zu klingen. Nach der Abendmesse will er es in einem Bierlokal nochmals mit der Bürgernähe versuchen. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 14.5.2014)

  • Der Vorarlberger Ewald Stadler, der nach FPÖ und BZÖ bei den nationalkonservativen Christen Rekos sein Heil sucht, kam bei seiner kurzen Tour auf dem Bauernmarkt in Graz mäßig gut an.
    foto: standard/gubisch

    Der Vorarlberger Ewald Stadler, der nach FPÖ und BZÖ bei den nationalkonservativen Christen Rekos sein Heil sucht, kam bei seiner kurzen Tour auf dem Bauernmarkt in Graz mäßig gut an.

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