Einen Garten mieten

15. Mai 2014, 17:17
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Selbstversorung oder Selbstverwirklichung

Pro
Von Christoph Winder

Habgier schön und gut, aber man muss nicht alles gleich erwerben. Wegen der ein oder zwei Male in seinem Leben, da man eine Droschke benötigt (Hochzeit, Begräbnis), käme niemand auf die Idee, sich eine Droschke zu kaufen und in die Garage zu stellen. Daher kommt auch die Droschke ohne den Zusatz "Miets-" praktisch so gut wie niemals vor.

Wie ist das mit den Gärten? Klar, Gärten sind schön, und solange die Lust am Rasenmähen, Kompostschaufeln und Schneckenvergiften anhält, mag man von edlem Eigentümerstolz erfüllt sein. Was aber, wenn sich im fortgeschrittenen Lebensalter der klassische Gartenüberdruss einstellt? Man es im Kreuz bekommt? Sich vor Maulwurfshügeln oder Stiefmütterchenrabatten zu ekeln beginnt?

Als Gartenmieter ist man dann fein heraus. Einfach den Mietvertrag auflösen, keine langen Verkaufsgespräche. Und mit der mühseligen Überlegung, ob man sich die Hortensien lieber an den Hut steckt oder umtopft: Mit der soll sich doch bitte künftig der Exvermieter herumschlagen.

Kontra
Von Mia Eidlhuber

Haben Sie schon einmal ein Beet angelegt? Mit einer Schaufel eigenhändig in der Erde geschaufelt? Stellen Sie sich das bitte vor: Sie graben alles schweißtreibend um, legen Beete an, säen Blumen und einen Kräutergarten, pflanzen Himbeer- und Ribiselstauden, ziehen Kürbisse, Bohnen und Salat. Setzen die Setzlinge, mulchen mit Mulch, kompostieren Kompost, jäten fleißig das Unkraut, kämpfen gegen Schädlinge, schneiden wuchernde Sträucher und obstschwere Bäume zurück, bauen rückenschonende Hochbeete, mähen den von Brennnesseln befreiten Rasen, gießen den Garten mit abgestandenem Regenwasser, damit er blüht und gedeiht. Sie glätten Maulwurfshügel. Sie hören die Vögel zwitschern, die sich im Garten ein Nest gebaut haben. Sie schauen den Pflanzen und Bäumen wie Kindern beim Wachsen zu.

Und dann läuft der Mietvertrag aus? Die Früchte Ihrer Gartenarbeit erntet jemand anderer? Ein chinesisches Sprichwort besagt: "Nicht die Blumen und Bäume, nur der Garten ist dein Eigentum." Der aber bitte schon!  (Rondo, DER STANDARD, 16.5.2014)

  • Gärten sind schön, und solange die Lust am Rasenmähen, Kompostschaufeln und Schneckenvergiften anhält, mag man von edlem Eigentümerstolz erfüllt sein.
    foto: derstandard.at/eder

    Gärten sind schön, und solange die Lust am Rasenmähen, Kompostschaufeln und Schneckenvergiften anhält, mag man von edlem Eigentümerstolz erfüllt sein.

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