Russland erwägt nach Conchita-Sieg eigenen Musikwettbewerb

13. Mai 2014, 15:56
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Auch Weißrussland für Veranstaltung nach "moralischen" Maßstäben

Moskau/Kopenhagen/Wien - Nach dem Sieg von Conchita Wurst beim Eurovision Song Contest (ESC) wird in Russland über einen eigenen Musikwettbewerb mit traditionell familiärem Anstrich nachgedacht. Nach dem Ergebnis von Kopenhagen sei die "Geduld erschöpft", sagte der Chef der Kommunistischen Partei, Waleri Raschkin, am Dienstag der Nachrichtenagentur Interfax.

"Wir müssen diesen Wettbewerb verlassen, wir können diesen endlosen Wahnsinn nicht tolerieren", fügte er mit Blick auf den ESC hinzu und schlug eine Veranstaltung namens "Voice of Eurasia" vor. Unterstützung für den Vorschlag kam umgehend aus Weißrussland. Das den autoritär regierenden Staatschef Alexander Lukaschenko beratende Slawische Komitee erklärte, das diesjährige ESC-Ergebnis stehe symbolisch für "den vollständigen Kollaps der moralischen Werte in der Europäischen Union". Und weiter hieß es: "Wir brauchen Europa nicht."

Russischer Abgeordneter protestiert mit Kosakenlied

Am Dienstag hat außerdem aus "Enttäuschung" über Conchita Wursts Sieg für Österreich ein russischer Abgeordneter im Parlament in Moskau ein Kosakenlied angestimmt. "Schwarzer Rabe, was kreist du über mir, du wirst nichts erbeuten", schmetterte Oleg Nilow von der Partei Gerechtes Russland voller Inbrunst von der Rednertribüne. Die russischen Schwestern Tolmatschjowa hätten in Kopenhagen "viel besser gesungen" als Wurst. "Unsere Mädchen gefallen Europa aber nicht, weil sie Zöpfe tragen - und keinen Bart", kritisierte Nilow.

Die Vollbart-Diva Conchita Wurst hatte das ESC-Finale am Wochenende klar gewonnen. Auch in Russland und Weißrussland gab es unter den Zuschauern viel Zustimmung für die Darbietung des österreichischen Travestiekünstlers Tom Neuwirth. Bei der Telefonabstimmung in Russland hatte Österreich den dritten Platz erreicht, von der Jury wurde der Beitrag aber nur auf den elften Platz gewählt. Insgesamt führte dies zu Rang sechs und damit zu fünf Punkten aus Russland. In Weißrussland ergab sich bei der Telefonabstimmung Platz vier, die Jury verhinderte aber, dass am Ende Punkte aus dem Land kamen. (APA, 13.5.2014)

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