EU-Ranking: Österreichs Unis sind in der Lehre nur mittelmäßig

13. Mai 2014, 15:53
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"U-Multirank" weist dafür gute Ergebnisse im Forschungsbereich aus

Wien - Die österreichischen Universitäten sind im Forschungsbereich tendenziell gut aufgestellt, schneiden aber in der Lehre eher schlecht ab. Das zeigt das neue, von der EU finanzierte Hochschulranking "U-Multirank", das am Dienstag erstmals präsentiert wurde.

Insgesamt wurden die Leistungen von 850 Hochschulen weltweit in fünf Teilbereichen verglichen: Forschung, Lehre, Wissenstransfer, internationale Orientierung und regionales Engagement. Dafür wurden 31 Indikatoren im Schulnotensystem herangezogen.

Aus Österreich waren die Unis Wien, Graz, Innsbruck und Linz, die Medizin-Unis Wien und Innsbruck sowie die beiden Technischen Universitäten Wien und Graz, die Wirtschaftsuniversität und die Universität für Bodenkultur, die private Modul University und drei Fachhochschulen (IMC Krems, Wiener Neustadt, Kärnten) mit dabei. Jede davon erreichte dabei auf einem der Indikatoren die Höchstnote, umgekehrt gab es auch schlechte Bewertungen.

Lehre nur mittelmäßig

Vor allem im Bereich der Lehr-Indikatoren erzielten die österreichischen Unis bestenfalls mittelmäßige Werte, vor allem die Uni Graz, die Uni für Bodenkultur  und die Technische Uni Wien erreichten meist nur "Genügend". Die Fachhochschulen schnitten hier wesentlich besser ab, vor allem Krems und Wiener Neustadt landeten oft in der Spitzengruppe.

In der Forschung wurde vor allem die Uni Innsbruck gut bewertet, auch die Uni Wien und die Medizin-Uni Wien erreichten teils gute Ergebnisse. Eher schwache Resultate in diesem Bereich lieferten die Wirtschaftsuniversität wien und die Uni Linz.

Beim Wissenstransfer punkteten vor allem die beiden Technischen Unis und die beiden Medizin-Unis, schlecht schnitt die Wirtschaftsuni Wien ab. Bei der internationalen Ausrichtung konnten praktisch alle heimischen Hochschulen punkten, bei der regionalen Verankerung vor allem die Wirtschaftsuni Wien.

Mit dem unter Federführung des Center for Higher Education Policy Studies (CHEPS) in den Niederlanden und des deutschen CHE Centrum für Hochschulentwicklung konzipierten U-Multirank soll ein neues, differenzierteres Kapitel bei Hochschulrankings aufgeschlagen werden: Verglichen werden die Hochschulen dabei "multidimensional", also in den verschiedenen Leistungsbereichen: Dadurch soll man jene Aspekte vergleichen können, die am meisten interessieren.

60.000 Studenten befragt

Daher wird auch kein "Gesamtwert" über einzelne Indikatoren hinweg errechnet und keine "beste Hochschule" oder die "besten 100 Hochschulen" gekürt. Die Daten stammen von den Hochschulen, aus internationalen bibliometrischen und Patentdatenbanken sowie aus einer Befragung von mehr als 60.000 Studenten.

62 Prozent der verglichenen Hochschulen sind aus Europa, 17 Prozent aus Nordamerika, 14 Prozent aus Asien und sieben Prozent aus dem Rest der Welt. Über das personalisierbare Ranking hinaus werden drei vordefinierte Rankings veröffentlicht, die ein spezifisches Hochschulprofil im Hinblick auf bestimmte Aspekte vergleichen: bezüglich der Forschungsleistungen, der Interaktion mit der Wirtschaft sowie fachbezogen in der Lehre innerhalb der Betriebswirtschaft.

Insgesamt sind mehr als 95 Prozent der Hochschulen in einem der Indikatoren in der Spitzengruppe platziert. Umgekehrt weisen nur zwölf Prozent der Hochschulen einen "Einser" in mehr als zehn Indikatoren auf. In Österreich sind das die Technische Universität Wien und Graz, die Universität für Bodenkultur, die Uni Innsbruck und die Uni Wien. 

EU-Bildungskommissarin Androulla Vassiliou sieht durch das neue Multiranking für 850 Universitäten weltweit vor allem die Rolle der Studenten gestärkt. Vassiliou erklärte am Dienstag in Brüssel, in dem Ranking seien viele leistungsstarke Hochschulen zu finden, die in den derzeitigen globalen Ranglisten nicht auftauchten. So seien mehr als 300 Unis bisher nirgends aufgeführt worden.

Vassiliou sprach von einem bahnbrechenden neuen Konzept eines mehrdimensionalen Rankings mit einer weitaus breiteren Kriterienpalette als bisher. (APA,13.5.2014)

Wissen:

Das sogenannte "U-Multirank" bewertet die Gesamtleistung von Hochschulen, stellt aber auch eine Rangfolge in ausgewählten akademischen Disziplinen auf. 2014 sind das Betriebswirtschaft, Elektrotechnik, Maschinenbau und Physik, 2015 kommen Psychologie, Informatik und Medizin dazu. Die Hochschulen werden in fünf Leistungsgruppen von A bis E eingeteilt.

  • Beim Wissenstransfer punkteten vor allem die beiden Technischen Unis und die beiden Medizin-Unis, schlecht schnitt die Wirtschaftsuni Wien ab.
    foto: apa/fohringer

    Beim Wissenstransfer punkteten vor allem die beiden Technischen Unis und die beiden Medizin-Unis, schlecht schnitt die Wirtschaftsuni Wien ab.

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