USA suchen mit Aufklärungsflugzeugen entführte Mädchen in Nigeria

13. Mai 2014, 14:53
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Verbleib der Geiseln von Islamistengruppe Boko Haram unklar

Washington - Die US-Regierung will mit Aufklärungsflügen die Suche nach den mehr als 200 in Nigeria verschleppten Schülerinnen voranbringen. Die bemannten Flüge fänden mit der Erlaubnis der Regierung in Abuja statt, sagte ein Vertreter der US-Regierung am Montag. Die USA helfen nach seinen Worten auch bei der Auswertung "kommerzieller Satellitenaufnahmen".

Weitere Details, etwa um welche Flugzeuge es sich handelt und wo sie stationiert sind, nannte der US-Vertreter nicht. Die Schülerinnen wurden vor vier Wochen von der Islamistengruppe Boko Haram entführt. In einem am Montag veröffentlichten Video wurden etwa 130 von ihnen beim gemeinsamen Gebet gezeigt. Der Anführer der Islamisten, Abubakar Shekau, sagte, einige von ihnen seien zum Islam konvertiert. Er will seine Geiseln im Austausch gegen inhaftierte Sektenmitglieder freilassen, dies lehnt die nigerianische Regierung aber ab.

Die USA halten das 17-minütige Video für echt. US-Außenamtssprecherin Jen Psaki sagte, die Aufnahmen würden nun detailliert ausgewertet, um Hinweise auf den Aufenthaltsort der Schülerinnen zu erhalten.

Boko-Haram-Kämpfer hatten Mitte April eine Schule in der Stadt Chibok im nordöstlichen Staat Borno überfallen und 276 überwiegend christliche Schülerinnen verschleppt. Einige der Mädchen konnten fliehen, doch werden noch immer 223 vermisst. Vor einer Woche entführte die Gruppe elf weitere Mädchen.

Angesichts der weltweiten Empörung über die Tat sowie über die schleppende Reaktion der Regierung in Abuja sah sich Präsident Goodluck Jonathan genötigt, Hilfe aus dem Ausland anzunehmen. Die USA, Großbritannien und Frankreich schickten inzwischen Polizei- und Militärexperten nach Nigeria, auch China und Israel boten Unterstützung an. Frankreichs Präsident Francois Hollande will am Samstag in Paris mit Nigeria und den Nachbarstaaten einen Gipfel zur Bekämpfung von Boko Haram abhalten. Nach seinen Vorstellungen sollten auch die USA und Großbritannien teilnehmen.

Niemand weiß, wo sich die Mädchen aufhalten. Die nigerianische Armee konzentriert ihre Suche auf den Sambisa-Wald in Borno. Doch gibt es auch Befürchtungen, Boko Haram könnte seine jungen Geiseln in die Nachbarstaaten Tschad oder Kamerun gebracht haben.

Die Boko Haram-Extremisten werden auch als Taliban Nigerias bezeichnet, der Name ihrer Organisation bedeutet übersetzt etwa: "Westliche Bildung ist Sünde." Die Gruppe kämpft seit 2009 mit immer blutigeren Anschlägen für einen islamistischen Staat im mehrheitlich muslimischen armen Norden Nigerias. Allein in diesem Jahr wurden fast 2.000 Menschen bei Angriffen der Gruppe getötet. (APA, 13.5.2014)

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